Der Spielfim „Lou Andreas-Salomé“ (Regie: Cordula Kablitz-Post; Darsteller: Katharina Lorenz, Nicole Heesters, Katharina Schüttler, Alexander Scheer; D 2016; 113 Min.), der jetzt in den Kinos anläuft, wird dem Leben der am Ende in Göttingen lebenden Schriftstellerin und Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé (1861-1937) künstlerisch vollkommen gerecht. Zustandegekommen war er unter Beratung von Mitgliedern des Göttinger Lou Andreas-Salomé-Instituts für Psychoanalyse und Psychotherapie (Dr. Inge Weber, Dr. Brigitte Rempp). Das „Lumière“ in Göttingen war bei seiner Präsentation mehrmals ausverkauft.
Weitere Termine dort: 6.7., 20 Uhr; 7.7., 19 Uhr; 10.7., 19 Uhr; 11.7., 19 Uhr; 12.7., 21 Uhr; 13.7., 19 Uhr. Die Regisseurin ist am 10.7. anwesend.
Der Film fängt das Leben der in St. Petersburg geborenen Schriftstellerin und Psychoanalytikerin treffend ein. Sie war Zeit ihres Lebens an Freiheit, Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, Inidividualismus und Emanzipation interessiert. Und an heute berühmten Männern wie Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke und Sigmund Freud. Den meisten von ihnen verdrehte sie den Kopf, beharrte aber auf ihrer Selbständigkeit.
Die Stärke des Films besteht im Casting, weil Katharina Lorenz und Nicole Heesters, welche die Lou zwischen 21 und 50 sowie über 50 verkörpern, ihr wunderbar im Aussehen und in der Darstellung nahekommen. Katharina Lorenz ist sehr schön. Der Film hat Göttinger Lokalkolorit. Ästhetisch zeigt er Ortswechsel (St. Petersburg, Zürich, Rom, Berlin, Göttingen, Wien) sehr gelungen mit Postkarten an.
Weitere Männer, die in Lous Leben wichtig waren, wie ihr Konfirmator Hendrik Gillot in St. Petersburg, ihr angetrauter Ehemann Friedrich Carl Andreas, ein Orientalist, ihr Liebhaber in Wien, Friedrich Pineles, und Ernst Pfeiffer, der ihr in Göttingen ihre „Lebenserinnerungen“ entlockt hat, bekommen im Film eine wirkliche Chance. Sigmund Freud, den sie mit 50 entdeckt hat, hielt sie für die „Dichterin der Psychoanalyse“. Er hat sie als wissenschaftlich gleichberechtigt akzeptiert und gelobt. Das zeigt ihr Briefwechsel.
So arbeitet der Film ein Motto Lous überzeugend heraus: „Wir wollen doch sehn, ob nicht die allermeisten sogenannten ‚unübersteiglichen Schranken‘, die die Welt zieht, sich als harmlose Kreidestriche herausstellen.“ Der ästhetische Kniff des Films, mit der Bücherverbrennung der Nazis im Mai 1933 zu beginnen, damit Lou in keinem Fall politisch falsch verstanden wird, verweist auf Eigenschaften Lous, die uns möglicherweise weniger überzeugen, die aber im Film auch gar nicht vorkommen.
Der Film ist unbedingt sehenswert.