Das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage, der Würzburger Professor Peter Bofinger, registriert die zunehmende Kritik an der Politik des EZB und ihres Präsidenten Mario Draghi wegen der Niedrigzinsen. Er verteidigt Draghis Politik (SZ 21.4.16).
1. Den Sparern geht es heute wesentlich besser als in der Phase der DM (1948-1999) mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,7 Prozent und einem entsprechenden Wertverlust auf Bargeld und Sichteinlagen.
2. Das eigentliche Problem ist heute die Rendite langfristiger Anleihen.
3. Finanzminister Wolfgang Schäuble könnte die Lage leicht verändern, wenn er spezielle Anleihen für die Altersvorsorge herausgeben würde.
4. Die Zinsmarge der Banken, also die Differenz zwischen Zinserträgen und -aufwendungen, ist von 2000 bis 2014 nahezu konstant geblieben.
5. Der EZB ist es im Juli 2012 gelungen, den Euro vor den panischen Finanzmärkten zu retten.
6. Die im Frühsommer 2014 vorgenommene Abwertung des Euros, damals wurde er zu einem Kurs von 1,40 gegenüber dem Dollar gehandelt, war richtig.
7. Deutschland hat allen Grund, Mario Draghi dafür zu danken, dass es ihm gelungen ist, den Euro-Raum zu stabilisieren und damit die deutsche Wirtschaft zu beleben.
8. Die Löhne und Gehälter, auch in Deutschland, müssen gemäß der Produktivität erhöht werden.
9. Ein europäisches Investitionsprogramm für digitale Netze, erneuerbare Energie, Energieeinsparung und Forschung und Entwicklung ist sinnvoll.
10. Die deutsche Politik ist gut beraten, die Reputation des EZB-Präsidenten nicht ohne Not zu beschädigen.