1042: Walter Lippmann und die Ökonomie

Mit

„Public Opinion“ (1922)

hat Walter Lippmann (1889-1974) ein Gründunbgsdokument der modernen Kommunikatiosforschung verfasst. Dabei schlug der gelernte Geisteswissenschaftler zugleich eine Brücke zwischen der Kommunikationswissenschaft und der Ökonomie. Während des Ersten Weltkriegs hatte Lippmann prägende Erfahrungen mit der „Psychologischen Kriegsführung“ gemacht. Erst sie habe ihm die Gestaltbarkeit der

öffentlichen Meinung

beigebracht. Bei den Versailler Friedensverhandlungen hatte Lippman John Maynard Keynes kennengelernt, den führenden Vertreter des Staatsinterventionismus. Keynes war Berater der britischen Regierung, Lippmann Berater von Präsident Wilson.

Seit 1931 hat Walter Lippmann Zeitungskolumnen verfasst und dabei großen Einfluss auf US-Ökonomen gewonnen. So brachte er wirtschaftswissenschaftliche Perspektiven einem Millionenpublikum nahe. Auch den Keynesianismus. In der Weltwirtschaftskrise hat Lippmann mit dazu beigetragen, dass einige heilige Kühe der klassischen ökonomischen Lehre geschlachtet wurden wie z.B.

– der ausgeglichene Haushalt und

– der Goldstandard.

Der Glaube an die makroökonomische Gestaltbarkeit des Marktsystems blieb Lippmann bis zu seinem Lebensende erhalten. Seiner Meinung nach vernachlässigte die Roosevelt-Administration mit ihrem

„New Deal“

diese Erkenntnis. In dieser Politik erkannte er die permanente Strangulierung der Selbstheilungskräfte des Marktes. Und so lieferte er mit „Good Society“ (1937) so etwas wie eine Begründung des

Neoliberalismus.

Lippmann plädierte für die Interdependenz von politischer und ökonomischer Freiheit, für Markt und Wettbewerb und gegen den Zwang der Administrationen. Walter Lippman war wichtiger Grenzgänger zwischen Politik, Wissenschaft und Medien und bildete besonders als Journalist ein Gegengewicht gegen das Spezialistentum der Sozialwissenschaftler. Es wäre vermutlich gut, sich daran zu erinnern. Denn heute sind manche Ökonomen wegen ihrer Überspezialisierung nicht mehr in  der Lage zum Dialog mit dem Bürger. Oder sie meinen als Übergeneralisten (wie Paul Krugman) sich zu allem äußern zu können (Stefan Kolev, FAZ 14.9.15)

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