Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn befürwortet den Grexit. Christian Siedenbiedel hat ihn für die FAS (21.6.15) interviewt.
FAS: Was würde Deutschland der Grexit kosten?
Sinn: Der Grexit kostet Deutschland vermutlich nichts. Eher im Gegenteil: Wenn Griechenland im Euro bliebe, müssten wir immer neue Kredite geben, um die alten abzulösen und die fehlende griechische Wettbewerbsfähigkeit zu finanzieren. Die Verluste würden immer größer. Wenn Griechenland seinen Staatsbankrott offen zugibt, würde das nur die Verbuchung von Verlusten erzwingen, die heute schon da sind. Das maximale Verlustrisiko für Deutschland bei einem Konkurs von Staat und Banken liegt bei 87 Milliarden Euro; aber nur ein Teil wird anfallen. Bei einem Austritt kämen allerdings noch Verluste durch die später zurückfließenden Eurobanknoten hinzu.
FAS: Würde Griechenland nach dem Grexit ein neues Hilfsprgramm brauchen – und, wenn ja, in welcher Größenordnung?
Sinn: Man sollte überlebenswichtige Importe für Griechenland, die durch die Abwertung teurer werden, über ein Hilfsprogramm subventionieren: Medizin und Energie vor allem. Das ist aber weitaus weniger Geld, als man für eine Fortsetzung des jetzigen Kurses brauchen würde.
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