Kein verständiger Analytiker der politischen Lage in Europa verkennt, dass die Verständigung mit Russland ein wesentlicher Bestandteil einer haltbaren Friedenslösung ist. Die EU ist ein hochattraktives Modell und kein defensiver Akteur der Weltpolitik, trotz aller Schwächen ist ihre Anziehungskraft groß, ihre Friedfertigkeit vorbildlich. Die EU hegt keine aggressiven missionarischen Absichten, sie bedroht ihre Nachbarn nicht mit Waffen, unterwandert deren Gemeinwesen nicht und manipuliert auch nicht deren Öffentlichkeit. Deswegen kommt es der EU unheimlich vor, dass ihr Dasein für andere als Bedrohung wahrgenommen wird.
Russland demgegenüber ist durch die Spaltung in seine Kultur, die großartig ist und manchen als vorbildlich gilt, etwa in seiner
Literatur (Gogol, Puschkin, Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Gorki, Pasternak, Bulgakow) und seiner
Musik (Borodin, Rimski-Korsakow, Mussorgski, Prokofiew, Skrjabin, Tschaikowski, Rachmaninow, Strawinski)
und seine politische Kultur gekennzeichnet, die rückständig ist und immer war. Dort hat es noch nie eine Demokratie gegeben, beim Zaren nicht, im Bolschewismus nicht, nicht in der „Stagnationsphase“ unter Breschnew, bis heute nicht.
Russlands deutsche Freunde im 20. Jahrhundert, hier hilft ein Blick in die Geschichte, waren einmal die Nationalkonservativen der Deutsch-Nationalen Volkspartei (DNVP), die „Steigbügelhalter“ Hitlers, und die Reichswehr, die ihre nach dem Versailler Vertrag verbotene „schwarze Reichswehr“ in der Sowjetunion üben lassen konnte. Sie kaprizierten sich bisweilen auf die „russische Seele“. Und natürlich unsere Kommunisten (KPD), die ihre „Bolschewisierung“ in den zwanziger Jahren nicht überwunden haben. Beide Gruppen waren und sind
Gegner des Westens.
Sie verunglimpften die USA als Hort des internationalen Monopolkapitalismus und die Wallstreet als Agentur des Weltjudentums, das die Weltherrschaft anstrebt. Europa und die EU sehen sie als „Kolonie der USA“. Und so denken auch heute noch viele Russlandfreunde, Kommunisten und Ex-Kommunisten. Bei ihnen sind
unsere westlichen Werte
nicht gut aufgehoben: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Pressefreiheit etc.
Die hervorstechenden Merkmale der Politik des russischen Bolschewismus waren der „Archipel Gulag“ und der Hitler-Stalin-Pakt (1939-1941), ihre größten Opfer
Polen und die baltischen Staaten.
Gerade ihnen sollte deswegen heute unsere politische Solidarität gelten!