Um die Romanistik hat er große Verdienste, der Vertreter der
„Rezeptionsästhetik“
und Begründer der legendären Forschungsgruppe
„Poetik und Hermeneutik“,
Hans Robert Jauß (1921-1997),
der ein Mitbegründer der Konstanzer Reformuniversität war. Legendär auch seine Antrittsvorlesung aus dem Jahr 1966 mit dem Titel „Literaturgeschichte als Provokation“. Zur Forschungsgruppe „Poetik und Hermeneutik“ gehörten Wissenschaftler wie z.B. Reinhart Kosselleck, Hans Blumenberg und Dieter Henrich.
In David Lodges berühmten Campusroman, für mich ist es der beste,
Schnitzeljagd. Ein satirischer Roman. Frankfurt am Main (Ullstein) 1987, 352 Seiten (zuerst erschienen unter „Small World“ 1984 in London)
taucht Jauß als
Siegfried von Turpitz
auf (in meiner Ausgabe insbesondere auf den S. 103 und 118). „Er fährt mit 180 Sachen auf der Überholspur der Autobahn Berlin-Hannover, nachdem er die lästige Geschwindigkeitsbeschränkung in der DDR hinter sich gelassen hat, und scheucht langsamere Fahrzeuge aus dem Weg, …“
Die Universität Konstanz hat sich gerade mit Jauß‘ Mitgliedschaft und Rolle bei der
Waffen-SS
beschäftigt, die Jauß stets heruntergespielt hatte. Grundlage ist die 125 Seiten umfassende Studie des Militärhistorikers Jens Westemeier. Sie hat auch 2015 noch einigen Weggefährten von Jauß größte Schwierigkeiten bereitet (Volker Breidecker, SZ 22.5.15). „Dieser Hans Robert Jauß, der bereits aus einem stark von NS-Ideologien infizierten familiären und schulischen Milieu stammte, war als SS-Mann von der ersten bis zu letzten Stunde ein überzeugter Weltanschauunsgkrieger.“ Jauß hatte sich 1939 freiwillig zur SS gemeldet und befehligte am Ende des Krieges als Hauptsturmbannführer eine Kompanie, die mehrfach in der „Partisanenbekämpfung“ eingesetzt war. Die weltanschaulichen Gegner waren der „Bolschewsimus“ und das „internationale Judentum“. Darüber hat Jauß nie wahrheitsgemäß gesprochen.
„Und dann wirft die Studie noch ihr Licht auf einen für einen Philologen geradezu gespenstischen Vorgang: Hans Robert Jauß hatte zwei Jahre vor seinem Tod ein Tagebuch eröffnet, darin er Zitate aus seinen Feldpostbriefn collagierte, kommentierte und womöglich auch revidierte. Was Jens Westemeier daraus zitiert, ist dabei weniger apologetisch als bis zu einem gewissen Grade selbstentblößend. Das Ausgangsmaterial aber, die Feldpostbriefe, hat Hans Robert Jauß anschließend jedoch vernichtet – der Überlieferung zufolge habe er sie verbrannt, im häuslichen Garten mit Blick über den See.“