Ex-Außenminister Joschka Fischer schreibt in seiner Kolumne (SZ 12.5.15) über Griechenland:
„Griechenland muss einem leidtun. Zuerst, nach 2009, wurde es zum Experimentierfeld für eine die Wirtschaftskrise des Landes noch verstärkende Austeritätspolitik der Troika aus
EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds.
Dann haben die Griechen eine Regierung gewählt, die offensichtlich wild entschlossen ist, das Land endgültig in den Abgrund zu stoßen.“
Und das zu einer Zeit, wo selbst die Konservativen in Berlin und Brüssel die negativen politischen Folgen ihrer Austeritätspolitik im europäischen Süden erkannt hatten und diese behutsam zu ändern bereit waren. Der Einsatz für die Ärmsten der Armen fand ja in Europa weithin Sympathie, wenn er auch wirtschafts- und finanzpolitisch nicht abgesichert war. Die griechische Regierung hat noch nicht den Unterschied zwischen den Forderungen aus der Opposition heraus und nüchternem Regierungshandeln begriffen. Dazu kommt das Bündnis mit einer rechtsradikalen Partei.
„Steckt da am Ende eine gemeinsame nationalistische Plattform in der Innen- und Außenpolitik dahinter, die man insgesamt teilt? Ein Wechsel der Bündnisse gar? Ich hoffe, dass dies nicht zutrifft, denn es wäre gleichermaßen schlimm für Griechenland und Europa. Meine Skepsis wurde allerdings verstärkt durch
zwei schwere außenpolitische Fehler,
die Tsipras gleich zu Beginn seiner Amtszeit unterliefen: sein Flirt mit Russlands Präsident Putin und der Versuch, Deutschland in der Euro-Gruppe zu isolieren, was niemals funktionieren konnte.“
Es geht darum, Griechenland wieder auf die Beine zu helfen und das Land im Euro zu halten und Europa politisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Das wird sehr, sehr schwer.