888: „Gegenforensik“ in Gaza

Forensik nennt man die Verfahren, mit denen sich die materiellen Spuren eines Verbrechens untersuchen lassen anhand von Fingerabdrücken , Blutflecken, Tatwaffen, Einschusslöchern und natürlich den Körpern der Opfer. Bis vor kurzem waren Forensiker technische Dienstleister der Justiz. Das hat sich in den letzten zwanzig Jahren gewandelt. Mit der

„Gegenforensik“

arbeiten nun auch Menschenrechtsorganisationen. Einer ihrer Vertreter ist der aus

Israel

stammende Eyal Weizmann. Jörg Häntzschel hat ihn für die SZ interviewt (25.3.15).

SZ: Woran arbeiten Sie gerade?

Weizmann: Wir untersuchen gemeinsam mit Amnesty und dem Palestinian Center for Human Rights (PCHR), was am 1. August 2014 in Gaza passiert ist. Kurz nachdem sich Israel und Hamas auf einen Waffenstillstand einigten, brachten Hamas-Leute drei israelische Soldaten in ihre Gewalt. Zwei wurden getötet, ein dritter gefangen genommen. Daraufhin lancierte Israel einen Angriff auf Gaza, bei dem 150 bis 200 Menschen starben, die meisten davon Zivilisten. Wir versuchen den räumlichen und zeitlichen Ablauf der Angriffe zu rekonstruieren. Wo wurden Zivilisten getötet? Was wurde bombardiert? Der genaue Ablauf ist wichtig. Zur gleichen Zeit wurde nämlich versucht, den Waffenstillstand zu erneuern, und der Tod des Soldaten wurde festgestellt. Und es gibt andere Fragen: Wer hat den Waffenstillstand gebrochen? Hat Israel noch weitergebombt, nachdem der Soldat tot war?

SZ: Was haben Sie herausgefunden?

Weizmann: Nach unseren ersten Erkenntnissen lassen Ablauf und Orte der Einschläge vermuten, dass Israel versucht hat, den eigenen Mann nicht zu retten, sondern zu töten, um zu verhindern, dass die Palästinenser ihn als Pfand benützen. So haben auch viele israelische Soldaten ihren Einsatzbefehl verstanden.

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