Herbert Brücker ist Professor für Volkswirtschaft an der Universität Bamberg und leitet den Forschungsbereich Internationale Vergleiche und Europäische Integration am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesarbeitsagentur. Er benennt (SZ 14./15.2.15) sechs Punkte für eine geregelte Einwanderung in Deutschland:
„1. sollte ein Einwanderungsgesetz die Schwelle für die erwerbsbezogene Zuwanderung erheblich senken. Ziel sollte auch für Zuwanderer aus Drittstaaten eine Quote von rund 50 Prozent sein. Die einschlägigen Prognosen zeigen, dass der deutsche Arbeitsmarkt künftig gerade bei mittleren Qualifikationen Engpässe haben wird. Wir müssen also auch für diese Fachkräfte die Zutrittsschwelle senken.“
„2. sollten wir die Zuwanderung nicht zu detailliert steuern. Punktesysteme können gute Instrumente zur Zuwanderungssteuerung sein, wenn sie einfach, transparent und pragmatisch sind. Wenn sie aber detailliert den Zugang nach einzelnen Berufen regeln, ist das problematisch. Es sollte reichen, wenn die Zuwanderer über eine qualifizierte Berufsausbildung verfügen und einen Arbeitsvertrag vorweisen, der mindestens tarifliches Lohnniveau garantiert.“
„3. sollte das Gesetz verhindern, dass Zuwanderer von Sozialleistungen abhängig werden. Die Steuerung nach Qualifikation senkt dieses Risiko. Es ist auch sinnvoll, für die große Mehrheit der Zuwanderer das Aufenthaltsrecht zunächst auf mehrere Jahre zu befristen, und erst dann, wenn die Migranten gezeigt haben, dass sie sich längerfristig erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren, ein Daueraufenthaltsrecht gewähren.“
„4. brauchen wir auch einen beschränkten Arbeitsmarktzugang für geringer Qualifizierte. … Es gibt dort keine großen Verdrängungseffekte: Die Beschäftigungsquote von Ausländern ist seit 2010 um mehr als 6 Prozentpunkte, die von Deutschen um 4,5 Prozentpunkte gestiegen.“
„5. bedarf es des Ausbaus einer Infrastruktur, vor allem Sprachkurse auf jedem Niveau.“
„6. muss das Asylrecht stärker mit dem Einwanderungsrecht verbunden werden. Angesichts der globalen Krisen mit 51 Millionen Flüchtlingen wird die humanitäre Migration weiter zunehmen. Die Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen ist eine ethische Frage. Sie entzieht sich einem Nützlichkeitskalkül, kann aber ökonomisch sinnvoll gestaltet werden.“