560: Barbara Vinken mag Hannover nicht.

Barbara Vinken gilt als „glamouröseste Professorin Deutschlands“. Die Literaturwissenschaftlerin (LMU München) und Modetheoretikerin ist von Alem Grabovac in der taz (3./4.5.14) interviewt worden.

taz: Sie sind in Hannover aufgewachsen …

Vinken: Stimmt – leider.

taz: Sie bedauern das?

Vinken: Es ist einfach die langweiligste Stadt Deutschlands.

taz: Und die Politiker allgemein? Fällt Ihnen ein Politiker oder eine Politikerin mit einem guten Modestil ein?

Vinken: Sahra Wagenknecht hat Autorität und ist trotzdem eine modische Erscheinung.

taz: Fällt Ihnen ein Mann ein?

Vinken: Nee, tut mir leid. Mag aber auch daran liegen, dass ich Politiker nicht gerade für eine Augenweide halte und deshalb nicht so oft hingucke.

taz: Sie schreiben, dass heutzutage jeder den Anschein erwecken möchte, nicht modisch angezogen zu sein. Weshalb ist das so?

Vinken: Ganz grob gesagt: In Deutschland hat das Bildungsbürgertum den Adel und nicht der Adel das Bildungsbürgertum reformiert. In Frankreich ist es umgekehrt. Der Einfluss der Aristokratie ist stilprägend geblieben. Das deutsche Bildungsbürgertum hat sich nun einmal gegen alles Weibliche, Französische, Verführerische, Oberflächliche, Geschminkte, gegen allen leeren eitlen Schein der schönen Oberfläche definiert. Dagegen wurden breitbeinig Tiefe und Authentisches ins Feld geführt.

taz: Als gefragte Professorin kommen Sie viel herum in der Welt. Wo sind die Menschen am besten angezogen?

Vinken: Interessanterweise immer noch in Italien. In Manhattan – in Brooklyn übrigens auch.

 

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