Michael Butter ist Professor für amerikanische Literatur- und Kulturgeschichte an der Universität Tübingen. Von Markus Flohr und Frank Werner wird er zu Verschwörungstheorien befragt (Die Zeit 4.6.20).
Zeit: Seit wann neigen Menschen zu solchen Erklärungen?
Butter: Der Philosoph Karl Popper sah in ihnen eine Antwort auf die Entzauberung der Welt durch die Aufklärung. Nicht mehr Gott zieht in solchen Theorien die Strippen, sondern eine böse irdische Macht. Damit ist erneut ein
Sinn
in der Welt. Eine weitere These besagt, dass Verschwörungstheorien erst in einer Gesellschaft entstehen können, die
Flugblätter, Bücher und Zeitungen
kennt. Deshalb siedeln viele Wissenschaftler – und ich teile diese Einschätzung – ihr Aufkommen in der frühen Neuzeit an.