2829: Edgar Reitz über „Heimat“

Der 1932 im Hunsrück geborene Edgar Reitz ist als Filmemacher bekannt für die 30-teilige Serie „Die Heimat“ (1982-2004). Er hat mit Alexander Kluge zusammengearbeitet und vorher schon Filme gemacht wie „Mahlzeiten“ (1966/67), „Die Reise nach Wien“ (1973) und „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“ (1974). Er hat am 24. April 2020 den „Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film“ erhalten. Jenni Zylka hat ihn für die „taz“ (23.4.20) interviewt:

taz: Durch die Pandemie verändert sich gerade sehr viel – auch der Heimatbegriff?

Reitz: Seit einigen Jahren beobachte ich, dass der Heimatbegriff zunehmend in der Diskussion ist. Es gibt keine Uni, keine Kirche, keine Betriebsfeier mehr ohne das Thema. Dazu mischen sich die neuen Rechten ein und versuchen, es sich unter den Nagel zu reißen. Das Bedürfnis, in einer übersichtlichen, geschützten Welt zu leben, nostalgisch zu denken, der idyllische Regionalismus – das ist eine Tendenz. Ich glaube nicht, dass das durch die Pandemie beflügelt wird. Im Gegenteil – die Menschheit lebt gerade zum ersten Mal wirklich global. Dass etwas überall auf der Welt stattfindet, jeden Menschen auf dem Globus trifft – das ist etwas vollkommen Neues. Wir begreifen mehr und mehr, dass es eine Abschottung nicht gibt, man kann nicht zumachen und sagen: Bei uns nicht.

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