2753: Lindner demontiert seine Partei.

Der wichtigste Kommunikationswissenschaftler in Deutschland ist Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Tübingen, Jahrgang 1969. Er ist immer dann gefragt, wenn die Gesellschaft besonders in Bewegung ist. Wie heute. Peter Unfried hat Pörksen für die taz (7./8.3.20) interviewt.

taz: Der Bundes- und Fraktionsvorsitzende Christian Lindner ist nicht die Leere der FDP, sondern verbirgt sie, deshalb kann man auf ihn nicht verzichten?

Pörksen: Absolut. Sein rhetorisches und inszenatorisches Talent verdeckt mehr schlecht als recht, dass der konzeptionelle Überbau fehlt, die Neubegründung des liberalen Gedankens in Zeiten des agggressiven Populismus, der Massenüberwachung, der Sicherheitssehnsüchte in einer Epoche von Terroranschlägen. Auch auf die Klimakrise reagiert er mit Sprüchen und ganz so, als wolle er alle Welt vor ein paar Demonstrationen und der Entwicklung utopischer Energien warnen – eigentlich ein paternalistischer, zutiefst antiliberaler Reflex. Aus meiner Sicht ist Christian Lindner die Symbolfigur einer Strategie der Hyperpersonalisierung und demontiert auf lange Sicht seine Partei, indem er sie kurzfristig mit ein paar Stichflammeneffekten in die Schlagzeilen bringt.

taz: Warum hat Lindner sich verbissen in die Antiposition zu Klimapolitik und gesellschaftsliberalen Positionen? Er geht offenbar davon aus, dass sich das doch noch für ihn auszahlt.

Pörksen: Ich vermute: Er glaubt, dass es zwischen AfD und CDU noch ein Milieu gibt, das man mit Mackersprüchen und Anti-Political-Correctness-Gedröhn begeistern kann. Sein Problem: Wenn es dieses MIlieu gibt, dann ist es vielleicht wirtschaftsliberal, aber definitiv nicht gesinnungsliberal, sondern antimodern und manchmal einfach nur verbittert und verbockt. In dieser Orientierung an der falschen Kundschaft arbeitet Lindner – …

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