Peter Schreier, der jetzt im Alter von 84 Jahren gestorben ist, war als Tenor ein Weltstar (Berlin, Bayreuth, Mailand, New York, Buenos Aires), vielleicht der größte, und er war seiner Heimat Dresden eng verbunden. Im Kreuzchor hatte er seine Karriere begonnen. Sein musikalischer Fixstern war Johann Sebastian Bach. Die Balance zwischen Leidenschaft und ernstem Respekt zeichnete ihn aus. Von vielen habe ich gehört, dass man Schreiers Stimme sofort erkennen würde. Schreier sang mit einer „Schlichtheit, die dem Werk alle Chancen lässt, sich selbst zu offenbaren und scheinbar ganz aus sich heraus zu wirken“ (Helmut Mauro, SZ 27.12.19). Unnötige Manierismen gab es bei ihm nicht, auch in größter Höhe hatte er noch Reserven. Ohne opernhafte Aufbrezelungen kam er aus, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit waren seine Parameter. „Nicht mehr behaupten, als man zu sagen hat; dies aber um so nachdrücklicher.“
Schreier begriff Musik wohl als Pflicht und Verantwortung, in zweiter Linie erst als Freude und noch weniger als Unterhaltung. Schreier war als Entdecker tätig. Schubert-Lieder hat er bekannt gemacht. Die von ihm 1972 präsentierten Lieder Felix Mendelssohn-Bartholdys bleiben im Gedächtnis. Dadurch wurde Peter Schreier wohl der persönlich berührendste unter den großen Tenören des zwanzigsten Jahrhunderts. Im Nachhinein verbinden sich viele bedeutende Vokalwerke nahezu unauflöslich mit der Stimme Peter Schreiers. Er glänzte in Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“, „Don Giovanni“, „La Clemenza di Tito“ und „Die Entführung aus dem Serail“. Da schimmerte große Hoffnung durch.