Der schwedische Autor Henning Mankell ist bei uns hauptsächlich als Krimiautor bekannt. Er lebt die Hälfte des Jahres in Mosambik, die andere in Schweden, und gilt als Afrika-Experte. Franz Kotteder hat ihn für die SZ (9./10.11.) interviewt.
SZ: Sie haben schon vor zehn Jahren auf eine neue Form von Kolonialismus hingewiesen, auf den Landraub durch internationale Gesellschaften, die große Flächen billig aufkaufen oder pachten.
Mankell: Das Hauptproblem in Afrika ist natürlich die Armut, und die führt wiederum zu sehr schwachen Gesellschaftsordnungen. Das macht es leichter für Leute von außen, ihre Geschäfte durchzusetzen. Ich bin etwas besorgt darüber, was die Chinesen momentan in Afrika tun. Ich sage nicht, dass sie eine neokolonialistische Einstellung haben. Aber die Tendenz dazu ist schon da. Es wird viel Land gepachtet auf hundert Jahre oder gekauft, um dort Nahrungsmittel für die eigene Bevölkerung anzubauen, während hungernde Afrikaner draußen bleiben. Das ist fürchterlich, aber das gibt es.
SZ: Lässt sich da von Europa aus etwas tun?
Mankell: Ich glaube, dass Afrika mit vielen neuen Herausforderungen konfrontiert ist, mit denen es erst noch umgehen lernen muss. Und da müssen wir den Afrikanern helfen, damit sie nicht wieder als Verlierer dastehen. Einer, der in dieser Hinsicht sehr viel getan hat und mit dem ich da gerne zusammenarbeite, ist übrigens ihr früherer Bundespräsident, Herr Köhler. Der hat das alles verstanden und macht viel gute Arbeit. Ich habe ihn erst vor ein paar Wochen wiedergetroffen. Er ist ein sehr praktisch denkender Mensch, der handelt. Ganz anders als Tony Blair, der bloß schlau daherredet.