2572: Emil Nolde – ein großer Künstler und ein übler Nazi

Den Maler Emil Nolde (1867-1956) hatte ich schon auf der Schule kennengelernt und war begeistert von der Leuchtkraft seiner Bilder. Ich habe ihn nie aus meinem Kopf verloren. 1960 habe ich ihn auf einer Radtour nach Dänemark in Seebüll noch besser kennengelernt. Ich halte ihn auch heute noch für einen der größten Künstler des letzten Jahrhunderts. 1968 brachte Siegfried Lenz (1926-2014) seinen Roman „Deutschstunde“ heraus, der sich vage mit Noldes Leben in Nordfriesland auseinandersetzt. Aber nicht vollständig und systematisch auf der Basis historischer Quellen. Das verfilmte Peter Beauvais 1971 mit Wolfgang Büttner als Maler Nansen (Emil Nolde) und Arno Assmann als Polizist Jepsen. Ein sehr sehenswerter und gelungener Fernseh-Film, der mir heute noch relativ klar vor Augen steht.

In den letzten Jahren hatten meine Frau und ich das Glück, mehrmals im Berliner Noldemuseum in der Jägerstraße Nolde weiter verfolgen zu können. Viele von Noldes Bildern hatten die Nazis als „entartet“ eingestuft und verboten. Nolde war einer der Hauptprotagonisten in der Nazi-Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in München. Nun bringt Christian Schwochow einen neuen „Deutschstunde“-Film heraus. Mit Tobias Moretti als Nansen (Nolde) und Ulrich Noethen als Jepsen. Der Film wurde sehr gelobt. Ich habe ihn noch nicht gesehen, aber ich hoffe, dass er dem letzten wissenschaftlichen Erkenntnisstand gerecht wird. Der besteht ja bedauerlicherweise darin, dass eine Nolde-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin (12.4.-15.9.2019) gezeigt hat, dass Emil Nolde ein übler Antisemit und Nazi gewesen ist.  Die Schauspieler sind dazu fähig. Moretti hatte etwa in Oskar Roehlers „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ überzeugend den Ferdinand Marian gegeben, der von Goebbels gezwungen worden war, in Veit Harlans „Jud Süß“ (1940) den Juden zu geben.

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