1. Als die chinesischen Kommunisten 1949 den bürgerlichen Kuomintang (Tschiang Kai Chek regierte später in Taiwan) endgültig militärisch besiegt hatten (70. Geburtstag der Volksrepublik), versuchte Mao, den wahren Kommunismus zu schaffen. Er hatte später einige Fans beim SDS und in den siebziger Jahren bei den K-Gruppen.
2. Seine durch und durch grausame Politik bestand in der Durchführung von Kampagnen. Der „große Sprung vorwärts“ (1958-1962) brachte eine Hungersnot mit 36 Millionen Toten. „Die große proletarische Kulturrevolution“ (1966) kostete 2 Millionen Menschen das Leben und traumatisierte 30 Millionen politisch Verfolgte.
3. Besser wurde es erst nach Maos Tod 1976 unter Deng Hsiao Ping. Der verordnete den Chinesen Pragmatismus. Sie sollten ausprobieren, was wirtschaftlich ging. Das hat funktioniert. Wir haben in China den einzigen Staat, in dem eine brutale kommunistische Diktatur gemeinsam mit einem Kapitalismus funktioniert, der allerdings ökologisch kaum kontrolliert ist.
4. Die Wirtschaftskraft der größten Handelsmacht ist heute 170 mal so hoch wie 1949.
5. Soziale Gerechtigkeit gibt es dort nicht. Dengs Parole war „Lasst erst einige reich werden.“
6. Das Land ist heute völlig entideologisiert. Der Konfuzianismus und traditionelle chinesische Religionen sind tot, neue Wertvorstellungen fehlen.
7. Behinderte, Kranke und Alte werden nur von ihren Familien versorgt.
8. Die chinesische KP hat deshalb so viele Mitglieder, weil die Chinesen aus Karrieregründen der Partei beitreten.
9. Will China die westlichen Industriestaaten überholen, muss es in Bildung und Forschung investieren. Das ist politisch nicht ganz ungefährlich.
10. Die Forderung nach Demokratie und Mitbestimmung gibt es bisher erst in Honkong.
(Felix Lee, taz 28./29.9.19)