Es musste so kommen. Und es ist so gekommen. Der Basketball-Bundesligist Alba Berlin schafft seine Cheerleaders ab. „Bei unseren Heimspielen ist der Eindruck entstanden, dass Frauen bei Alba vor allem für die tanzende Pausenunterhaltung zuständig sind, während Männer Basketball spielen.“ Alba will also keine zu besichtigenden Sexualobjekte mehr und dem männlichen Voyeurismus keinen Vorschub leisten. Der Verein greift hier gewissermaßen ein, um der Verbreitung sexistischer Stereotype Einhalt zu gebieten. Das liegt im Zug der Zeit und wird gewiss Zustimmung finden.
Ich bin häufig genug bei Albas Heimspielen, um das Phänomen aus eigener Anschauung beurteilen zu können.
Johanna Dürrholz (FAS 29.9.19) nennt einige Gegenargumente, falls sie als solche überhaupt anerkannt werden dürfen. Etwa: „Warum nicht einfach Menschen tanzen lassen?“ Dürrholz verweist auf den geplanten Pausenauftritt von Jennifer Lopez und Shakira beim Superbowl 2020. Da sind gewiss genug Donald Trump-Wähler anwesend. „Der Verdacht liegt nahe, dass die Cheerleaderinnen zwar nicht nur, aber eben auch gerade deswegen bei männlichen Fans beliebt sind, weil sie so toll aussehen …“ Ja, tatsächlich?
Dürrholz findet, dass Frauen selbst entscheiden können, ob sie einen Cheerleader-Auftritt mitmachen oder nicht. „Allein, das ist ihr Bier. Ihre Entscheidung. Ihr Körper, ihr Leben, ihr Sport, ihre Präsentation des Ganzen. Und wenn sie es vielleicht sogar schön finden, dass einige Männer (und Frauen) sie sexy finden, na und? Ist es Sache des Vereins, darüber zu richten.?“
Alba: „Wir wollen zukünftig noch stärker fördern, dass Frauen im Basketball als Spielerinnen sichtbar und zu Vorbildern werden.“
Dürrholz meint, dass es allein die Sache der Frauen ist, „wie sie aussehen und tanzen und ob sie dabei einem – auch das kann man feststellen – recht heteronormativen und durch den meist männlichen Blick sexualisierten Bild von Weiblichkeit entsprechen wollen. Niemandem, vor allem keiner Sportlerin, ist geholfen, wenn Männer oder Vereine oder die Gesellschaft jetzt wieder Frauen vorschreiben, was sie zu tragen, wie sie sich zu geben haben. … Emanzipation sieht anders aus.“
Halt!
Wir leben ja in einer Zeit, in der die Mehrheit der Gesellschaft beschlossen hat, dass wir LGBTTI eine ernste Chance geben müssen. Weil es den Bedürfnissen vieler Individuen entspricht. Damit sind nicht alle einverstanden, aber eine große, seriöse gesellschaftliche Mehrheit. Und damit fangen wir erst an.
M.E. gibt es nur einen Punkt, an dem sich klären lässt, was in einem Fall wie dem Albas angesagt ist. Nämlich den, ob durch die Abschaffung von Cheerleadern gefährdet wird, dass Frauen und Männer aneinander Gefallen finden und sich zusammentun. Diese uralte Übung (eine sehr schöne und bewährte) ist aber – zum Glück – unverrückbar und nicht wegzukriegen. Und wer sich einen klaren Blick bewahrt hat, erkennt, dass die heteronormativen Strukturen die Gesellschaft heute noch klar dominieren.
Deswegen können Cheerleaders ruhig abgeschafft werden.
Meinetwegen hätten sie bleiben dürfen.