2463: Michael Jürgs ist tot.

Der ehemalige Chefredakteur des „Sterns“ (1986-1990), Michael Jürgs, ist tot. Er wurde nur 74 Jahre alt. Er war Blattmacher, Rechercheur, Reporter und ein brillanter Schreiber. Seine Karriere hatte er bei der Münchener „Abendzeitung“ begonnen, als die noch einen guten Ruf hatte. Dort wurde er Feuilletonchef. 1987 zeigte der „Stern“ den toten Uwe Barschel in der Badewanne. Der Titel „Sollen die Zonis bleiben, wo sie sind?“ kostete Jürgs den Kopf als Chefredaktweur. Von 1992 bis 1994 war er Chefredakteur des Magazins „Tempo“. Sein Metier war die Aufklärung.

Seine Überzeugung: „Die Nähe zu Politikern meiden, weil die Mächtigen nur dann zu kontrollieren sind, wenn man sie im Blick behält, statt sich mit ihnen, vor allem in der Arena Berlin, bei gegebenen Anlässen vertraut blicken zu lassen. Kurzum: Unberechenbar bleiben.“ Jürgs hat Bücher geschrieben über Romy Schneider, Axel Springer, Richard Tauber und Günter Grass. Sein Interview mit Romy Schneider war so intim und einmalig, dass es Grundlage für den Film „Drei Tage in Quiberon“ (2018) sein konnte. Günter Grass hatte Michael Jürgs leider nicht verraten, dass er bei der Waffen-SS gewesen war. Und Axel Springer wurde von Jürgs nicht nur als „der Verleger“ portätiert, sondern auch als Mensch.

Leidenschaftlich attackierte Michael Jürgs diejenigen, welche die freie Presse angreifen: „Egal, wie die heißen – Trump, Putin, Orban, Höcke, Farage, Salvini, Poggenburg, Kaczynski, Gauland, Le Pen, Wilders.“

(Peter Huth, Literarische Welt 6.7.19; Michael Hanfeld, FAZ 6.7.19; Hans Leyendecker, SZ 6./7.7.19)

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