2404: Eva Menasse gibt die bürgerliche Öffentlichkeit verloren.

In ihrer Dankesrede zur Verleihung des Ludwig-Börne-Preises hat Eva Menasse die bürgerliche Öffentlichkeit verabschiedet. „Die Digitalisierung, die wunderbare Effekte auf viele Lebensbereiche hat, hat auf ihrem Urgrund,

der menschlichen Kommunikation,

eine alles zerstörende Explosion verursacht.“ Ludwig Börne habe ihr stets viel bedeutet, sie habe aus ihm Energie und Kraft gezogen. „Nun aber sind wir überlebt, er und Sie und ich.“ „Wen wollen wir denn heute noch erreichen, wenn wir in der Paulskirche sprechen, wenn wir in der ‚Zeit‘ oder in der ‚FAZ‘ schreiben?“ Oder in der SZ (fragt W.S.)?

Aber, liebe Freunde, dort haben wir doch noch nie alle erreicht. Allenfalls Meinungsführer (Opinion Leader). Und das war und ist auch sehr wichtig (W.S.)!

Eva Menasse beschreibt durchaus, worauf sie sich bezieht. Nämlich auf „das Beste, das in der zusammenwachsenden Welt zu bekommen war. ‚Tagesschau‘, ‚Bild‘-Zeitung, die Samstagabendshow und der ‚Tatort‘, dazu die Feuilletons und die Radios. Wir hatten etwas gemeinsam, zumindestens in diesem Land, zumindestens in diesem Sprachraum, wir wussten so ungefähr voneinander, und wie es uns ging.“ (Marie Schmidt, SZ 28.5.19)

Das ist treffend. Und es war gut so!

Aber es ist ja nicht ganz weg. Seien wir also nicht so mutlos! Wir haben ja noch die FAZ, die SZ, die „Welt“, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk (einschließlich Deutschlandradio) mit seinen Nachrichten, Magazinen, Talks, Kommentaren usw. Einzelfälle aus dem privaten Rundfunk. Wir müssen sie nur nutzen. Ausreden gelten hier nicht. Wer sich der öffentlichen Kommunikation verweigert, darf sich nicht darüber beklagen, dass er nicht informiert ist.

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