Einer der größten Schauspieler-Stars des US-Kinos, Harvey Keitel, wird 80. Er hat in über 150 bemerkenswerten Filmen mitgewirkt. Seine Wandlungsfähigkeit ist schlagend. Keitel beherrscht es aggressiv und fies, verfügt vom „Method-Acting“ her auch über die Fähigkeit, sich zu mäßigen. Gestartet ist er beim größten Regie-Meister, Martin Scorsese: „Who’s that knocking at my door?“, „Mean Streets“ (dt, Verleihtitel: „Hexenkessel“), „Alice doesn’t live here anymore“, „Taxi Driver“. Ich war in den siebziger Jahren in einige dieser Filme hineingeraten und war hingerissen von der Authentizität der Darstellung. Ein ständiger Partner von Harvey Keitel war Robert de Niro. Keitel kehrte später in Scorsese-Filme zurück, nachdem er von Francis Ford Coppola aus „Apocalypse Now“ rausgeschmissen worden war. Eine der großen Fehlentscheidungen Hollywoods.
Keitel brillierte auch in Gruppenfilmen: „Buffalo Bill and the Indians“ (Robert Altman), „Reservoir Dogs“ (Quentin Tarantino), „Blue Collar“ (Paul Schrader), „Smoke“ (Wayne Wang), „Bad Lieutenant“ (Abel Ferrara). Ganz besonders aber in Jane Campions „The Piano“. Harvey Keitel hat einmal erklärt, dass das filmische Handwerk einen sehr weit bringen könne, dann aber komme das „Mysterium“. Bei den Marines hatte er gelernt, mit der Angst umzugehen. Freuen wir uns noch auf viele Filme mit Harvey Keitel (Fritz Göttler, SZ 13.5.19).