Hans von Storch gehört zu den „Klima-Realisten“ unter den Klimaforschern. Manchmal hält er Kollegen wie dem Potsdamer Stefan Rahmsdorf „Alarmismus“ vor. Hans von Storch ist Professor am Institut für Meteorologie der Universität Hamburg und Leiter des Instituts für Küstenforschung am Helmholtz-Zentrum Geesthacht. Winand von Petersdorff hat ihn für die FAS (22.9.13) interviewt.
FAS: Könnte es sein, dass die globale Erwärmung zu ihrem Ende gekommen ist?
Storch: Ich persönlich erwarte das ganz und gar nicht. Aber als Wissenschaftler habe ich gelernt, dass sich auch gut gestützte Aussagen als falsch erweisen können. Ein guter Forscher hat immer einen Restzweifel. Fest steht auf jeden Fall: Wir Klimaforscher haben unsere Schularbeiten noch lange nicht vollendet.
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FAS: Steht der Zusammenhang zwischen CO 2-Emissionen und der Klimaerwärmung in Frage?
Storch: Für mich nicht! Unsere Modelle beschreiben die Temperaturentwicklung allerdings nicht gut – wenn wir sie nur nach der Reaktion auf sich stetig vermehrte Treibhausgase fragen. Das ist beunruhigend.
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FAS: Das ist ja eine Menge an Unwissenheit.
Storch: Ja, mein Instinkt sagt mir allerdings, dass wir gar nicht so viele Änderungen an den Modellrechnungen vornehmen müssen. Meine private Vermutung: Wir können die Rolle der Sonne etwas verstärken und gleichzeitig den Einfluss der Treibhausgase etwas zurücknehmen. Und schon liegen wir wieder ziemlich richtig. Aber wir sollten über die Neujustierung in Ruhe nachdenken. Weder müssen wir die Modelle in die Tonne kloppen, noch sollten wir so tun, als ob wir keine Erkenntnisprobleme hätten.
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FAS: Was stimmt denn jetzt noch? Sind zum Beispiel Überschwemmungen Folge der Klimaerwärmung?
Storch: Ich würde sagen: nein. Es gibt andere Leute, die sagen: ja. Vor allem die Münchener Rückversicherung spielt eine große Rolle bei der Verbreitung der Behauptung, Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen oder Hurricanes hätten auf Grund des Klimawandels stark zugenommen. Die Evidenz dafür ist aber äußerst dünn. Bei binnenländischen Überschwemmungen ist der Faktor Klima vermutlich vernachlässigbar. Allerdings sind Katastrophen-Behauptungen für das Geschäft der Versicherung äußerst nützlich.
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FAS: Sozialwissenschaftler propagieren jetzt einen Lebensstil der Bescheidenheit, der auf Autofahren oder Fleischessen verzichtet. Ist das sinnvoll?
Storch: Diese Leute sind nicht Wissenschaftler, sondern Prediger, die dem Zeitgeist nach dem Munde reden. Sie stellen ihre persönlichen Werte in den Vordergrund, nicht ihr Wissen als Wissenschaftler. Die Behauptung, mit Fleischverzicht schütze man das Klima, ist einigermaßen substanzlos. Da werden rein symbolische Akte propagiert. Ich habe nichts dagegen, solange sich diese Prediger nicht auf die Klimawissenschaft berufen.