2168: Günter Rohrbach 90

Marvon Chomskys „Holocaust“ hat er ins deutsche Fernsehen gebracht. Vorher schon Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ und Rainer Werner Fassbinders „Acht Stunden sind kein Tag“. Er war vermutlich die entscheidende Figur bei der Entwicklung von Film und Fernsehen in Deutschland nach 1945. Als Programmdirektor des WDR und als Fernsehspiel-Chef der ARD. Er ist heute noch drahtig, neugierig und begeisterungsfähig: Günter Rohrbach wird 90.

Regisseure wie Klaus Lemke, Wim Wenders, Edgar Reitz, Margarete von Trotta und Volker Schlöndorff verdanken ihm sehr viel. Er verschaffte ihnen Freiräume. Wolfgang Petersen ermöglichte er das Schwulendrama „Die Konsequenz“. Günter Rohrbach war mutig und in der Lage, sich auf die Bürokratie des öffentlich-rechtlichen Rundfunks einzulassen.

Studiert hatte Günter Rohrbach Germanistik, Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaften in Bonn, München und Paris, fand das Studium seinerzeit aber schon ziemlich verstaubt. Rohrbach war unternehmungslustig und fand dabei immer wieder Mitstreiter. 1979 übernahm er die Geschäftsführung der Bavaria Studios in München. Helmut Dietl drehte mit ihm „Schtonk“, Dominik Graf „Die Katze“ und Wolfgang Petersen „Das Boot“. Über diesen so hochgelobten Film konnte man streiten. War er nicht auch eine Beschönigung des U-Boot-Kriegs und seiner Protagonisten. Hier liegt ein Hauptproblem von Rohrbachs Lebensthema, der deutschen Vergangenheitsbewältigung. Prägend war Rohrbach bei den „amphibischen Filmen“, die sowohl im Kino als auch im Fernsehen mit Erfolg gezeigt werden können.

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