2142: Hubertus Knabe ist entlassen worden.

Der Direktor der Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, ist nach 17-jährigem Dienst von Kultursenator Klaus Lederer (Linkspartei) entlassen worden. Die Gedenkstätte gilt als einer der wichtigsten Orte der DDR-Erinnerungsarbeit. 450.000 Menschen werden pro Jahr von ehemaligen Häftlingen über das Gelände geführt. Bei mehrfachen Besuchen dort war ich stets sehr beeindruckt von der Gedenkstätte. Nicht einmal Knabes schärfste Kritiker bestreiten, dass der Historiker sich außergewöhnlich engagiert für die Belange der Opfer der SED-Diktatur eingesetzt hat. Viele DDR-Opfer sehen in ihm, der selbst aus dem Westen stammt, einen ihrer wichtigsten Fürsprecher.

Knabe galt und gilt als harter Hund und als Polarisierer. Er ist ein scharfer Kritiker der Linkspartei. Er war mit vielen ehemaligen Weggefährten über die Art und Weise in Streit geraten, wie die DDR aufgearbeitet werden soll. Offiziell ist der Grund für Knabes Kündigung, dass sein Stellvertreter Helmuth Frauendorfer über Jahre Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll. Dies soll Knabe seit 2016 bekannt gewesen sein. Mehrere Mitarbeiterinnen haben in einem offenen Brief „eine Regelhaftigkeit übergriffiger Verhaltensmuster“ und ein „Frauenbild der 50er Jahre“ in der Führungsetage beklagt. Nach erneuten Hinweisen Anfang dieses Jahres hatte Knabe die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und Frauendorfer entlassen. Senator Lederer hatte sich mit Kritik an Knabe stets zurückgehalten. Noch im Sommer hatte er sich hinter ihn gestellt, als dieser den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Siegmar Faust gemaßregelt hatte, dem AfD-Nähe nachgesagt worden war.

Vier Frauen des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Gedenkstätte Hohenschönhausen haben in dieser Woche in einem offenen Brief gegen die Entlassung Knabes protestiert: die DDR-Oppositionelle Heidi Bohley, die Bürgerrechtlerin Freya Klier, die ehemalige DDR-Moderatorin Edda Schönherz und die Passauer Professorin Barbara Zehnpfennig. Sie vermuten eine „politische Strafaktion“. Sie werfen dem Stiftungsrat vor, Knabe nicht angehört zu haben.

Knabes Form der Erinnerungsarbeit war und ist nicht unumstritten. Einer der wichtigsten Kritikpunkte ist, dass Schüler nicht „überwältigt“werden dürfen. Eine Überwältigung aber sehen viele Kollegen darin, dass Zeitzeugen mit Besuchern Verhörsituationen nachspielen.

Nun soll die ehemalige Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, mit der Knabe sich ebenfalls überworfen hatte, die Übergangszeit in Hohenschönhausen im Auftrag des Stiftungsrats gestalten. Ein Historiker: „Ich wünsche mir, dass unter einer neuen Leitung unterschiedliche Perspektiven der DDR-Aufarbeitung besser koexistieren und auch kooperieren können.“ (Hannah Beitzer, SZ 5.10.18) Hoffentlich führt das nicht zur Verwässerung der Aufarbeitung!

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