Der österreichische Schriftsteller Thomas Glavinic, geb. 1972, schreibt in der „Literarischen Welt“ (7.7.18) über den vor vierzehn Tagen dort erschienenen großen Essay über Literatur von
Maxim Biller.
Auch Glavinic unterstellt Biller die Sehnsucht, irgendwo dazugehören zu wollen. Er schreibt dann: „Biller hat über viele Jahre hinweg die Realitätsferne, Phantasielosigkeit und Streberhaftigkeit der deutschsprachigen Literatur kritisiert, deren Verfasser außer Seminarräumen nicht viel von der Wirklichkeit gesehen hätten. Sein Vorwurf an die deutschsprachige Literatur, sie sei geschichtsvergessen bzw. auf unproduktive Weise besessen von der deutschen Schuld (‚ schuldlos Schuldige‘, Selbstinszenierung als Opfer der Geschichte) ist massiv, aber nicht aus der Luft gegriffen.“
Gegen die Wortführer der Gruppe 47 tritt auch Glavinic nochmals nach (das ist ein bisschen billig, W.S.): „überschätzte, skrupellose Karrieristen, poesiearme Blender und künstlerische Feiglinge.“
Und dann kommt sein Fazit: „Für eine gewisse Elite in Deutschland ist der Holocaust ein Thema, das niemals an Aktualität verlieren wird. Für die Menschen in der Mitte der Gesellschaft ist er bloß lästig.“