Sylvie Le Bon des Beauvoir, geb. 1941, war 26 Jahre lang die Geliebte Simone de Beauvoirs, ehe sie 1980 adoptiert wurde, um als Nachlassverwalterin der Schriftstellerin zu fungieren. Martina Meister interviewt sie in der „Literarischen Welt“ (26.5.18) zu Simone de Beauvoir.
Welt: Vor wenigen Monaten hat Claude Lanzmann die Liebesbriefe, die Simone de Beauvoir ihm geschrieben hat, an die Yale University verkauft. Stimmt es, dass sie der Veröffentlichung nicht zugestimmt haben?
Le Bon: Nein, das ist von vorne bis hinten eine falsche und ganz erbärmliche Geschichte. Zum 100. Geburtstag der Beauvoir habe ich in aller Öffentlichkeit gesagt und es ihm schriftlich gegeben, dass ich bereit sei, die Briefe herauszubringen. Aber das ist zehn Jahre her, und ich habe nie einen einzigen Brief zu Gesicht bekommen. Er hat das alles erfunden. Ich werde mich hüten, für sein Verhalten eine Erklärung zu finden. Fest steht: Simone de Beauvoir wollte ihre Manuskripte der französischen Nationalbibliothek übertragen. Er hat es vorgezogen, sie an eine reiche, amerikanische Universität zu verkaufen.