Der in meinen Augen geniale Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi, 67, ist für seine Fälschungen verurteilt worden. Seine Arroganz hat er – zum Glück – nicht verloren. Jana Gioia Baurmann und Jens Tönnesmann von der „Zeit“ hat er ein Interview gegeben (3.5.18).
Zeit: Werden bei Ihnen noch Fälschungen angefragt?
Beltracchi: Ja. Noch als ich im offenen Vollzug war, hat mir jemand 25 Millionen Dollar für zwei Bilder geben wollen.
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Zeit: Sind alle Künstler gleich leicht zu imitieren?
Beltracchi: Ich imitiere nicht, ich nutze die Handschrift der Künstler. Einen Fernand Léger zu malen ist keine Sache, ein Hieronymus Bosch ist reine Fleißarbeit, Caravaggio hingegen projizierte Motive auf seine Leinwand – das zu malen ist schwer.
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Zeit: Bescheidenheit ist nicht ihre Stärke?
Beltracchi: Kunst ist nicht bescheiden.
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Zeit: … Sie durften die Strafe im offenen Vollzug verbüßen. Das ist doch nett angesichts des Schadens, den Sie angerichtet haben.
Beltracchi: Nein, die Strafe war zu hoch. Bei prominenten Steuerhinterziehern geht es oft um mehr Geld, und die kommen mit einer niedrigeren Strafe davon. Und auch mancher Vergewaltiger oder Totschläger kommt besser weg.
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Zeit: Sie wurden wegen 14 Fälschungen verurteilt. Wie viele haben Sie tatsächlich angefertigt?
Beltracchi: Bestimmt um die 300.
Zeit: Eine Idee von Strafe ist auch, dass man bereut. Bereuen Sie?
Beltracchi: Natürlich. Auch wenn ich eigentlich nur Unterschriften gefälscht habe, nicht Bilder.
Zeit: Der Kunst haben Sie damit geschadet.
Beltracchi: Im Gegenteil! ich habe gezeigt, wie absurd der Kunstmarkt funktioniert, wie leicht dort Betrug möglich ist. Hauptsache, es fließt Geld. Und wir haben bewiesen, wie wenig selbst erklärte Experten von ihrem Fach verstehen. Scheiße für die. Gut für die Kunst.
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Zeit: Was war ihr teuerstes Bild später?
Beltracchi: Ein Campendonk, glaube ich.
Zeit: Die Fälschung ‚Rotes Bild mit Pferden‘?
Beltracchi: Zwei Millionen haben wir dafür bekommen! Sonst war es aber meistens weniger.
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Zeit: Warum haben Sie .. nicht versucht, ehrlich Geld zu verdienen?
Beltracchi: 1978 habe ich tatsächlich 10.000 Mark für ein Bild bekommen, das ich in meinem Namen gemalt hatte. Vielleicht hätte ich an der Kunsthochschule bleiben sollen, wäre Jungprofessor geworden, hätte ein Verdienstkreuz, den ganzen Müll. Aber ich wäre immer eingesperrt gewesen in ein Leben voller Regeln und falscher Moral.