Hajo Seppelt, 55, gehört seit Jahrzehnten zu den renommiertesten deutschen Sportjournalisten. Seit etwa 20 Jahren ist er führend in der Doping-Aufklärung. Er hat 2014 das russische Staatsdoping ans Licht gebracht. Das Sportministerium dirigierte, Mitarbeiter des Geheimdienstes FSB, der nationalen Anti-Doping-Agentur (Rusada) und das Moskauer Kontroll-Labor waren an der Täuschung beteiligt. Die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eingesetzte McLaren-Kommission hat Seppelts Ergebnisse voll bestätigt. Da ist es in einem so rückständigen politischen System wie dem russischen nur schlüssig, dass Hajo Seppelt auf die Liste der bei der Fußball-WM „unerwünschten Personen“ gesetzt wird. Das ist in Russland nichts Besonderes. Dort gibt es keine Pressefreiheit.
Seppelt selbst sagt dazu: „Das liegt natürlich daran, dass wir kritisch über Russland berichtet haben, dass wir das russische Staatsdoping 2014 aufgedeckt haben. Es sieht ganz so aus, als ob das eine der Konsequenzen ist.“
Gegen die Maßnahme protestiert haben der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Stephan Mayer (CSU), und die Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Auch das Auswärtige Amt hat sich eingeschaltet. Die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags, Dagmar Freitag (SPD), bezeichnete das Einreiseverbot als skandalös. Pflaumenweich wie immer der DFB. Sein Vorsitzender Reinhard Grindel: „Ich habe volles Vertrauen, dass die FIFA jetzt ihren Einfluss geltend macht, damit Herr Seppelt ungehindert aus Russland berichten kann.“
Auf Grund von Seppelts Recherchen ergab sich der Verdacht, dass 34 russische Fußballspieler gedopt waren. Darunter der komplette Kader der russischen Nationalelf, der 2014 an der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien teilnahm.
Den Höhepunkt an Verkommenheit drückte der Vorsitzende des russischen Journalistenverbands, Wladimir Solowkow, aus, als er sagte: „Seppelt muss unbedingt ein russisches Visum bekommen, er sollte unsere Weltmeisterschaft besuchen.“ Er fügte dann hinzu: „Allerdings sollte man ihn unbedingt unter Schutz stellen, damit er nicht zufällig von einem Kenner seines ‚journalistischen Talents‘ verprügelt wird.“
Herr Solowjow kündigt öffentlich russische Stammtisch-Prügel an. So wird dort regiert (Jens Schneider, SZ 14.5.18; Claudio Catuogno, SZ 14.5.18; FAS 13.5.18).