Im Berliner Brecht-Haus wurde letzte Woche unter Literaten, Publizisten und Wissenschaftlern über Schriftsteller im „postfaktischen Zeitalter“ diskutiert. Dabei formulierte der Hildesheimer Politologe David Salomon einige ziemlich einfach klingende, aber nicht belanglose Erkenntnisse, die ich hier kondensiert wiedergebe (Dirk Kniphals, taz 21.11.17)
1. Die klassische Medienkritik aus dem Journalismus und der Wissenschaft (die stets eher von links kam) steht heute in der Gefahr, entlang von Vokabeln wie „Lügenpresse“ verwechselt zu werden mit Rassisten und Nationalisten von „Pegida“, AfD, Identitären und „Reichsbürgern“. Das verstehen viele Menschen nicht sofort.
2. Das Internet ist weder die vollständige Erfüllung demokratischer Träume noch der „Schmutzkübel“ der Gesellschaft.
3. Wir haben es mit einem neuen „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (Habermas 1962) zu tun. Er besteht in der Verlagerung der Werbung (mit der sich alle Medien finanzieren) ins Netz und weg von den klassischen Medienkonzernen. Die gehen deshalb selbst ins Netz (wie Springer).
4. Die Enthüllungen Günter Wallraffs in den Siebzigern (z.B. bei „Bild“) standen noch ganz im Zeichen von Kampagnen wie „Enteignet Springer!“.
5. Paul Sethes Satz von 1965, dass die „Pressefreiheit die Freiheit von zweihundert reichen Leuten“ sei, gilt heute mehr denn je. Gerade wegen des Netzes, gegen das einzelne Nutzer nicht ankommen. Denken wir nur an die Abertausende von Öffentlichkeitsarbeitern (Public Relations).