1769: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Wir plagen uns ständig damit herum, schwerwiegende gesellschaftliche Probleme zu lösen. Das gilt in Zeiten des wachsenden Populismus und Rassismus und war noch nie anders. Aber wir könnten uns manchmal die Arbeit erleichtern, wenn wir auf Werke zurückgreifen würden, die sehr gute Vorschläge machen. Manchmal sind sie allgemein zu unbekannt geblieben. Das gilt nicht zuletzt für

Karl Raimund Poppers (1902-1994)

„Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (1945).

Das Erscheinungsjahr lässt schon erkennen, mit was sich Popper auseinandergesetzt hat. Und insofern ist es verdienstvoll, dass 2017 ein Werk erscheint, das sich vornimmt, Poppers Theorie zu erklären:

Jack Nasher: Die Staatstheorie Karl Poppers. Eine kritisch-rationale Methode. Tübingen (Mohr Siebeck) 2017, 117 Seiten, 19 Euro.

Offene Gesellschaften sind bei Popper jene, die Veränderungen zulassen, diese sogar offensiv betreiben. Sie unterscheiden sich von traditionalen Gesellschaften dadurch, dass sie nicht durch Herkommen, Tabus, „ewige Werte“, religiöse Dogmen gebunden sind und nicht einfach an unbefragten Zuständen festhalten.

In seinem Buch rechnet Popper mit den Staatstheorien von

Plato (428 v.C. – 347 v.C.),

Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und

Karl Marx (1818-1883)

ab. Wer weiß das heute schon. Popper erkennt bei den genannten Philosophen den Hang zum Autortären und Totalitären. Insbesondere bei Hegel mit seinem absoluten Wissen. Damit fährt Popper einen Generalangriff auf den Marxismus, der sich theoretisch auf Hegel und Marx gründet. Das macht Popper so unbeliebt auf der politischen Linken.

Abgeleitet ist Poppers Analyse von seinem Grundlagenwerk

„Logik der Forschung“ (1934).

Danach haben wir über die Welt immer nur Vermutungen, die durch Falsifikationen, also empirische Widerlegungen, verbessert oder ersetzt werden. Wir kennen nicht nur das Ziel der Geschichte nicht, wir wissen nicht einmal, was die Zukunft als nächstes bringt. Darum soll sich nach Popper die Politik nie zu viel vornehmen. Sie soll mit kleinen Schritten herumprobieren (muddling through). Bitte keine großen Würfe!

Da wir die Zukunft im Großen und Ganzen nicht kennen können, erübrigen sich auch

Apokalypsen (Gustav Seibt, SZ 21.11,17).

Ausgegrenzt werden bei Popper Kommunisten und Rassisten. Wer das ist, das könnten wir ja wissen.

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