1733: Der Protestantismus 2017

1. Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Johann Hinrich Claussen, sagt werbend: „Das Reformationsjubiläum ist überall dort geglückt, wo wir als Kirchenleute aus den Kirchentüren hinausgegangen sind und mit anderen gesellschaftlichen Kräften etwas gemeinsam auf die Beine gestellt haben.“

2. Das Dilemma dabei ist, dass man hier nicht im stillen Kämmerlein und gepflegt „kulturprotestantisch“ agieren kann. Wenn Kirchenfunktionäre ihren oft geforderten Anspruch auf gesellschaftspolitische Einmischung tatsächlich erheben, dann taucht der alte Vorwurf der zu großen Staatsnähe auf. „Denn dieser Makel hängt seit jeher am Protestantismus: der Pakt mit der Obrigkeit. Durch ihn konnte sich die Konfession durchsetzen, obwohl sie bei Luther gegen das Papsttum eigentlich von der

Freiheit,

der individuellen Glaubenserfahrung,

der Unabhängigkeit von seligmachenden Hierarchien

ausgegangen war.“ (Johan Schloemann, SZ 28./29.10.17)

3. Geblieben sind die Museen und Gedenkstätten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und anderswo, die auf feinste renoviert, erweitert, mit neuen Dauerrepräsentationen ausgestattet sind. Beide Bundesländer, in denen kaum noch Christen leben, sind touristisch zufrieden.

4. Es bleibt der protestantische Alltag: Predigt, Bibelauslegung, Gebet, Gesang, Liturgie, Seelsorge. Und Sozialfürsorge für Alte, Arme, Kranke, Behinderte, Flüchtlinge.

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