1. Die DDR-Bürger hatten es wirklich nicht leicht mit ihrem Staat. Ausgesucht hatten sie ihn sich nicht. Es war keine Demokratie, sondern eine Diktatur, kein Rechtsstaat. Der Staat war wirtschaftlich schwach. Es gab keine annähernd geeignete politische Bildung. In der DDR herrschten Günstlingswirtschaft und Propagandamedien, die ganz und gar unglaubwürdig waren.
Daraus sind überwiegend unsere Ostdeutschen hervorgegangen (und das wird nicht in einer Generation überwunden, sondern setzt sich fort bis ins dritte und vierte Glied).
2. Gesellschaft und Staat waren in der DDR straff organisiert, streng stukturiert. Von der Wiege bis zur Bahre war alles geregelt, es ging seinen sozialistischen Gang (wie die SED ihn für richtig hielt).
3. Das alles lag am real existierenden Sozialismus unter Führung der Sowjetunion.
4. Daraus erwachsen heute die Hetze und die Hasstiraden gegen die Bundesrepublik („Lügenpresse“), gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Daher kommen Pegida und AfD (hier gibt es noch andere Quellen, Alexander Gauland etwa war 40 Jahre in der CDU).
5. Die Wessis seit 1989 haben ihren Teil zu der Entwicklung beigetragen. Sie hatten keine Ahnung vom real existierenden Sozialismus in der DDR. Und sie wollten den deutschen Osten auch nicht kennenlernen. Vorurteile bestimmten die Wahrnehmung. Wir DDR-Forscher fanden kaum Gehör. Vorherrschend war hochmütige Arroganz.
6. Infolgedessen fühlten sich viele Ostdeutsche vernachlässigt, gedemütigt, beleidigt, gekränkt, herablassend behandelt. Sie entwickelten ein von Ängsten geprägtes Weltbild.
7. Vorherrschend wurde in Ostdeutschland das Gefühl, Opfer der Verhältnisse in Deutschland zu sein. Das war nicht vollkommen unberechtigt. Und manchmal entstand die Vorstellung, dass man sich wehren müsse. Daraus gingen die neuen Neonazis, die Kameradschaften in Thüringen und die NSU-Mörder hervor.
8. Selbstmitleid bestimmte das Selbstwertgefühl.
9. Demgegenüber sprechen das politische System und die Massenmedien in Deutschland überwiegend davon, dass es Deutschland gutgehe. Das sehen viele unserer Ossis ganz anders.
10. Insbesondere die Ostdeutschen Angela Merkel (CDU), die Bundeskanzlerin, und Joachim Gauck (SPD), der gewesene Bundespräsident, waren es, die den Ostdeutschen mit ihrer Freiheits-Rhetorik das Gefühl vermittelten, dass ihre Lebensleistung nicht anerkannt werde. Daher resultieren die sonst unverständlichen Reaktionen vieler Ossis auf die Herausforderungen der Gegenwart.