Als er 1978 aus der DDR in den Westen ging, war Egon Günther Träger des Nationalpreises der DDR und einer ihrer wichtigsten Filmemacher. Die DDR verfügte über mehrere große Filmkünstler. Günthers Film „Der Dritte“ (1972) mit der wunderbaren Jutta Hoffmann war in aller Filmfreunde Munde. Es war der Film, in dem eine sehr selbständige Frau zum dritten Mal versucht, den richtigen Mann zu finden. Eine Geschichte also, die uns gerade heute nahe kommt. Der Film lief damals in den Kinos der BRD und bekam in Venedig einen Preis.
Günthers „Lotte in Weimar“ (nach Thomas Mann) mit Lilli Palmer wurde 1975 in Cannes gezeigt. Ärger mit der DDR-Zensur hatte Günther schon seit „Wenn du groß bist, lieber Adam“ (1965). Der Film wurde noch vor der Fertigstellung verboten und erlebte seine Premiere 1990. Günther war ein Arbeiterkind und stark von seiner Kriegserfahrung geprägt. Er schrieb auch Erzählungen und Romane. Literarische Stoffe sind ein durchgehendes Motiv seiner Arbeit. Auch später, als er im Westen etwa „Die Braut“ (1999) mit Veronika Ferres als Christiane Vulpius drehte.
Egon Günther ist im Alter von 90 Jahren in Potsdam gestorben (SZ 1.9.17).