Für die Jahre 2009 bis 2016 liegen uns aus 127 Städten in Deutschland die Daten vor (DIW): die Eigentumswohnungen sind um 55 Prozent im Preis gestiegen, Eigenheime zwischen 38 und 45 Prozent, Grundstücke um 63 Prozent. Die Mieten stiegen im Durchschnitt um 30 Prozent. In begehrten Städten wie Berlin und München ist es weit schlimmer. Der Zuzug in die Städte ist ungebrochen. Dort werden zu wenige Wohnungen gebaut. Etwa die Hälfte der Bundesbürger wohnt zur Miete. 10 Prozent der Bürger sind Eigentümer von Wohnungen.
Wenn die Eigentümer ihre Wohnungen verkaufen, kassieren sie kräftige Extragewinne. Und diese sind fast immer steuerfrei. Das beruht auf der Fiktion, dass es sich um „privaten Vermögensaufbau“ handelt. Wenn auf einem Grundstück ein Haus mit zwei Hinterhöfen und 50 Wohnungen steht, gilt es weiterhin als private Vermögensanlage.
„Ein fiktives Rechenbeispiel: Man stelle sich vor, ein Mietshaus in Berlin ist im Jahr 2005 für 2 Millionen Euro erworben worden, 2016 wird es für 4 Millionen verkauft. Macht einen Reingewinn von 2 Millionen, der nicht versteuert wird – obwohl es sich um Einkommen handelt. Eigentlich würde die Reichensteuer von 45 Prozent fällig: dem Staat entgehen also 900.000 Euro.“ Beachtet werden muss, dass eine „Spekulationsfrist“ von 10 Jahren gilt. In fünf Jahren darf man drei „Objekte“ kaufen und drei „Objekte“ verkaufen, ohne dass Steuern anfallen. Ein Ehepaar kann innerhalb von fünf Jahren also jeweils sechs Immobilien steuerfrei erwerben und veräußern. Und nur 2,4 Prozent des Wohnraums sind im Besitz von Gewerbeunternehmen. Daraus ist ersichtlich, dass der Rest des Wohnraums „privat“ ist.
Zu den steuerfreien Spekulationsgewinnen kommt die Möglichkeit, fiktive Wertverluste abzuschreiben (pro Jahr 2 Prozent). Zurück zu unserem Beispiel: „Da (das Haus) 2005 2 Millionen gekostet hat, konnte der Besitzer jedes Jahr 40.000 Euro als ‚Abschreibung‘ beim Finanzamt geltend machen, weil das Haus angeblich weniger wert war. Übersetzt: Pro Jahr waren 40.000 Euro an Mieteinnahmen steuerfrei. Davon kann jeder Arbeitnehmer nur träumen, bei dem die Steuern automatisch abgebucht werden.“
„Es wäre interessant zu wissen, wie viele Steuermillionen es jährlich kostet, die Vermieter zu beschenken. Doch dazu fehlen alle Zahlen. Das ist typisch für die deutsche Statistik. Die Daten der Reichen werden fast nie erfasst.“ (Ulrike Herrmann, taz 17.7.17)