1635: Benedikt gegen Franziskus

In seinem letzten Gruß an seinen Freund, den Kardinal Joachim Meisner, Köln, ging es dem emeritierten Papst Benedikt XVI. nicht um Persönliches. Wie Matthias Drobinski (SZ 18.7.17) schreibt, ist das Grußwort „ein Programm“. „Benedikt spricht von der ‚Diktatur des Zeitgeistes‘, der Kardinal Meisner widerstanden habe; er vergleicht den Zustand der katholischen Kirche mit einem Schiff im Sturm, das ’schon fast zum Kentern angefüllt ist‘. So hat Joseph Ratzinger schon einmal geredet: im Petersdom, am 18. April 2005, dem Tag, bevor die Kardinäle ihn zum Papst wählten. Es war eine so glänzende wie pessimistische Rede. Im Sturm der Gottlosigkeit und des Relativismus helfe es der katholischen Kirche nur, die Bordwände höher zu ziehen, die Luken zu schließen und die Schotten zu dichten.“

2005 wurde Benedikt gewählt, 2013 trat er zurück. Gewählt wurde Kardinal Jorge Mario Bergoglio, Papst Franziskus. „Der sieht seitdem seine Aufgabe darin, die Luken des Schiffs wieder zu öffnen und die Abschottungen aufzubrechen, auch auf die Gefahr hin, dass mal eine Welle Zeitgeist über die Bordwand schwappt.“

Benedikt warnt Franziskus. „Verrate mein Erbe nicht. Gerade erst hat Franziskus Kardinal

Gerhard Ludwig Müller

ziemlich harsch entlassen, den noch von Benedikt eingesetzten Präfekten der Glaubenskongregation – da klingt die Warnung besonders laut. Müller und der vom Papst zum Rücktritt gedrängte Limburger Ex-Bischof

Franz-Peter Tebartz-van Elst

saßen unter den Trauergästen; sie dürften innerlich kopfnickend zugehört haben.“

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.