Qualitätsjournalismus ist konstitutiv für die Demokratie. Es gibt ihn noch. Die großartigen Recherchen, Reportagen und welterklärenden Stücke. Deshalb braucht der Qualitätsjournalismus nicht neu erfunden zu werden. Andererseits sinken die Werbeerlöse der traditionellen Massenmedien und wandern ins Netz ab.
Aber die Skepsis gegenüber den ungefilterten Informationen aus den sozialen Netzwerken wächst.
Nun hat das Reuters Institute for the Study of Journalism (Oxford) in seinem Digital News Report berichtet, dass vor allem die unter 35-Jährigen bereit sind, für journalistische Qualität zu zahlen. Gerade weil die Repressionen gegen Journalisten weltweit zunehmen (insbesondere in Russland, der Türkei, Syrien etc.).
Alexandra Borchardt (SZ 26.6.17) macht dazu fünf Anmerkungen:
1. Der Journalismus muss neue Techniken nach Kräften nutzen, darf daraus aber keinen Selbstzweck werden lassen. Drei Entwicklungen werden den Journalismus besonders prägen:
a) der Einsatz von künstlicher Intelligenz,
b) Datenjournalismus und
c) die Analyse von Leseverhalten.
2. Journalisten müssen ihrem Publikum zuhören. Die Methoden, um Leser- und Nutzerverhalten zu verstehen, werden immer ausgefeilter. Hinweise darauf, zu welchen Zeiten auf welchen Geräten bestimmte Stoffe besonders gut angenommen werden, sind wertvoll. Der klügste Text hat keinen Wert, wenn nach drei Sätzen niemand weiterliest.
3. Der Journalismus muss an seiner Glaubwürdigkeit arbeiten. Nutzer trauen den etablierten Medien noch nicht genug. Laut Digital News Report gesteht im Durchschnitt nicht einmal jeder Zweite den Medien zu, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden.
4. Journalisten müssen ihre Arbeit erklären. Zeitdruck und Sparprogramme in Redaktionen lassen oft keine andere Möglichkeit: Es wird gegoogelt statt recherchiert. Wenn alle das tun, werden die Informationen austauschbar. Das übernehmen irgendwann Roboter. Echte Gespräche bringen Zwischentöne und Perspektiven in Geschichten, die Algorithmen nicht liefern können.
5. Medienhäuser dürfen nicht vor Google und Facebook einknicken. Es geht um ihre Unabhängigkeit. Schon jetzt gehen ca. 80 Prozent der Werbeerlöse dorthin.