Als ihm 1976 in Wim Wenders‘ Kultfilm „Im Lauf der Zeit“ (mit Rüdiger Vogler und Lisa Kreuzer) als Schauspieler (Robert, „Kamikaze“) gleich der Durchbruch gelang, war Hanns Zischler noch Dramaturg an der Berliner Schaubühne und arbeitete Regiegrößen wie Peter Stein und Michael Grüber intellektuell zu. Zu Heiner Müller in der DDR hielt er durch lange Ausflüge permanenten Kontakt. In „Im Lauf der Zeit“ erschien er wie ein deutscher
James Dean.
Dieser Mann wird 70 Jahre alt.
Hanns Zischler ist uns begegnet in „Derrick“-Folgen, in schwedischen Krimis (Henning Mankell), als Klaus Barbie und als Bürgermeister, Tänzer, Spion und Kommissar. Es sind mittlerweile über 200 Rollen, die Hanns Zischler gespielt hat (bei Regisseuren wie Jean-Luc Godard, Claude Chabrol, Steven Spielberg, Rudolf Thome und Agnieszka Holland). Er inszeniert am Theater, führt Regie bei Hörspielproduktionen und hält Lesungen. Aber darauf beschränkt er sich nicht. Er brilliert als Sprecher und Synchronsprecher mit seiner phänomenalen, männlichen Stimme, die beinahe unvergleichlich ihre Fähigkeit zur Ironie beweist. Und er schreibt Bücher. So
„Kafka geht ins Kino“ oder „Das Mädchen mit den Orangenpapieren“.
Hanns Zischler hat den dekonstruktivistischen Philosophen
Jacques Derrida
übersetzt und den russischen Lyriker Joseph Brodsky interpretiert. Er ist, wenn kein Universalgenie, dann doch ein Universalliebhaber (Willi Winkler, SZ 16.6.17).
„Dem Interesse an einem bis dahin übersehenen Gegenstand – das können auch die nicht recht deutbaren Zeichnungen des Adalbert von Chamisso sein, die Zeitungslektüre des James Joyce oder, um das berühmteste Beispiel zu nennen, Kafkas Kinobesuche – folgt eine Phase der intensiven und ausufernden Forschung, die in den verblüffendsten Funden resultiert und nicht selten auch in einer gemeinsamen Arbeit mit Menschen, die Zischler mit seiner Begeisterung ansteckte.“ (spre, FAZ 17.6.17)
Hanns Zischler ist einer unserer großen Geister, dem man bisweilen in einer der Kneipen rund um den Savignyplatz in Berlin-Charlottenburg bei der konzentrierten Zeitungslektüre zuschauen kann.