1576: Die DDR und Rechtsextremismus

Das Göttinger Institut für Demokratieforschung hat im Auftrag der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke, eine Studie vorgelegt, in der überprüft werden sollte, ob ein Zusammenhang besteht zwischen einer DDR-Sozialisation und einer größeren Nähe zum Rechtsextremismus. Die Zahl rechtsextremer Übergriffe ist in den vergangenen Jahren gestiegen (1408 Fälle 2015). In Relation zur Einwohnerzahl stechen dabei Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hervor. Dort gibt es Faktoren, die Rechtsextremismus begünstigen. Hier setzt die Studie an.

Im Mai und Dezember 2016 sind in Dresden und in Erfurt insgesamt 40 qualitative Einzelinterviews mit Vertretern der Politik, der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und mit Bürgern geführt worden. Den Forschern ist eine schonungslose und umfassende Analyse gelungen. Insbesondere bei älteren Menschen spielt die Sozialisation eine wichtige Rolle. Sie sind in einer geschlossenen und ziemlich homogenen Gesellschaft aufgewachsen und haben z.B.

keine Erfahrungen mit Migranten.

Anders als im Westen lebten DDR-Bürger und Migranten streng voneinander getrennt.

Die Vereinigung Deutschlands brachte es mit sich, dass verbliebene Gastarbeiter nun als Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen wurden. Die teilweise zu hohen Erwartungen an das Wohlstandsversprechen erfüllten sich nicht für jeden. Zurück blieben „atomisierte Individuen“, die Politik fortan als „entferntes, von Westdeutschland importiertes Spektakel“ erlebten. Die Studie hat eine Neigung zur „Romantisierung der DDR“ ergeben. Enttäuschungen und politische Probleme werden vor allem auf die Zeit nach 1989 projiziert: Misstrauen, Neid, Rassismus, rechtsextreme Übergriffe, staatliche Diskriminierung.

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping kann die vom Göttinger Institut zutage geförderten Erkenntnisse natürlich nicht teilen (Antonie Rietzschel, SZ 19.5.17). Sie bleibt bei ihrer DDR-Perspektive.

One Response to “1576: Die DDR und Rechtsextremismus”

  1. Haddinga sagt:

    Wer vor der Wende in der DDR war – was leider viele der heute handelnden Personen nicht in ihren Erfahrungsschatz einbauen konnten oder wollten – und wer damals mit den dort lebenden Menschen über politische Einschätzungen und Meinungen gesprochen hat, wundert sich überhaupt nicht über die auf dem Gebiet immer noch bei manchen verbreitete negative Einstellung zu Demokratie und gegenüber fremden, zugewanderten Menschen.
    Man darf nicht vergessen, dass über den gelernte DDR-Bürger oder über seine Eltern direkt nach der NSDAP-Diktatur die SED-Diktatur gekommen ist. Wo sollte er lernen, mit Freiheit umzugehen oder wie im Westen die Demokratie zelibriert wird oder wie man mit eingewanderten Migranten umgehen sollte?

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