1575: Zbigniew Brzezinski ist tot.

Er gehörte zu den großen geopolitischen Strategen der USA, die heute wieder dringend gebraucht würden: Zbigniew Brzezinski, der Sicherheitsberater unter Jimmy Carter (1977-81) und Berater demokratischer Präsidenten. Der 1928 in Warschau geborene Brzezinski war ein Diplomatensohn. Am Beginn des Zweiten Weltkriegs befand die Familie sich gerade in Kanada. Sie kehrte nie wieder nach Polen zurück. Der Kampf der Blöcke im Kalten Krieg bestimmte Brzezinskis strategische Weltsicht.

Mit eisenfestem Willen und unerschütterlichen Überzeugungen beeindruckte Brzezinski auch viele seiner Gegner. Für die Polen war er eine Symbolfigur der Freiheit und Selbstbestimmung. Er bereitete die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zur Volksrepublik China vor. Gegen den sowjetischen Expansionismus, der in Russland 2017 wieder an der Macht ist. Als Moskau 1979 in Afghanistan einmarschierte, baute Brzezinski die militärischen Beziehungen zu den Mudschahedin auf. Die polnische Solidarnosc´unterstützte er.

Aber Brzezinski beging auch Fehler. Als er fürchtete, dass Iran in den Moskauer Einflussbereich abdriften würde, ordnete er die Befreiungsaktion für 52 US-Diplomaten aus der Teheraner Geiselhaft an, ein folgenschwerer Fehlschlag, an dem die USA bis heute leiden. Sein großer geostrategischer Gegenspieler,

Henry Kissinger,

aus dessen Schatten Brzezinski nie ganz herausgetreten ist (Stefan Kornelius, SZ 29.5.17), hat in der Behandlung des Pinochet-Regimes in Chile nicht wieder gutzumachende Fehler begangen. Angesichts der gegenwärtigen Washingtoner Administration vermissen wir Brzezinski, der gerade gestorben ist, heute schon.

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