Das polnische Institut für Nationales Gedenken (IPN) hat jetzt eine Datenbank zugänglich gemacht, die Namen von über
8 500 Tätern
enthält, die zwischen 1940 und 1945 in
Auschwitz-Birkenau,
dem größten deutschen Konzentrationslager auf polnischem Boden, eingesetzt waren. Hier wurden mindestens 950 000 Menschen ermordet. Sie starben als Arbeitssklaven oder an den Folgen von Folter und Verstümmelungen nach perversen Experimenten. Die Datenbank enthält zudem Fotos und Gerichtsurteile gegen die Täter.
Auf Polnisch, Deutsch und Englisch sind Angaben registriert zu Geburtsort und -datum, Ausbildungsstatus, militärischem Rang, Eintritt in den Militärdienst, in NSDAP und SS und Mitgliedsnummern. Das IPN will damit der „Verzerrung der Wahrheit über die Vergangenheit“ entgegenwirken. So sei oft von „polnischen Todes- und Vernichtungslagern“ die Rede. Es gab aber keine polnischen Todes- und Vernichtungslager, es waren deutsche, die bewusst auf polnischem Boden eingerichtet wurden.
Zugleich dient die Datenbank zur Propagierung des Geschichtsbilds der nationalkonservativen polnischen Regierung. Sie sieht Polen in der jüngeren Geschichte in der Opferrolle und weist Mitläufertum und Täterkontexte weit von sich. Die deutsche „Zentralstelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen“ in Ludwigsburg hat jetzt ebenfalls Zugriff auf die Datenbank erhalten. Sie teilte mit, dass 95 Prozent der Täter inzwischen tot seien. Die Veröffentlichung persönlicher Daten nach deutschen Recht ist sehr kompliziert. Eine pauschale Antwort ist kaum möglich. Es kommt auf jeden Einzelfall an (Bernd Graff, SZ 2.2.17).