Einem so unerbittlichen und unverbesserlichen Antikommunisten wie mir (ich kann mich übrigens noch gut an die Zeit erinnern, in der es schwer war, in manchen Milieus diese Einstellung durchzuhalten) fällt es häufig gar nicht so leicht anzuerkennen, dass Kommunisten manchmal Recht haben. Im „Zeit“-Interview (29.9.16) mit dem Linken-Abgeordneten Wolfgang Gehrcke war das zum Teil der Fall. Der Hamburger Gehrcke war viele Jahre DKP-Mitglied. Er wird bisweilen als der einzige Kommunist im Bundestag bezeichnet. Im Interview erscheint er sympathisch. Das liegt wohl auch an der Kompetenz und Befragungskunst der Interviewer Elisabeth Niejahr und Gero von Randow. Hier die zwei Punkte:
1. „Aber dass im Kampf gegen Hitlerdeutschland 28 Millionen Menschen aus der Sowjetunion ihr Leben gelassen haben, sollten wir nicht vergessen. Leider war meine Partei mit diesem Anliegen lange ziemlich allein. Mich hat gefreut, dass im vergangenen Jahr der Bundespräsident zum ersten Mal der sowjetischen Kriegsopfer gedacht hat. Ich erkläre mir das auch dadurch, dass Joachim Gauck aus dem Osten kommt. Dort wurde ja ganz anders über das Kriegsende gesprochen als in Westdeutschland.“
2. „Wissen Sie, ich möchte beides haben, die Interessenanalyse und die Wertedebatte. Was für Interessen hat dieser oder jener Staat oder diese oder jene gesellschaftliche Gruppe? Was folgt daraus? Und das kann man dann ins Verhältnis setzen zu den Werten. Nehmen Sie die Charta der Menschenrechte, das ist ein – ich will nicht sagen: kommunistisches Programm … aber es deckt sich mit meiner Linie. Sie finden darin die individuellen und kollektiven Rechte, Freiheitsrechte und Gleichheitsrechte.“