1299: Maxim Biller rechnet mit den Linken ab.

Maxim Biller wurde 1960 in Prag geboren und kam mit seiner Familie 1970 nach Deutschland. Seit dem Abschluss seines Studiums 1983 in München arbeitet er als Journalist und Schriftsteller. Er ist einer der umstrittensten in Deutschland. Er hat Affären hinter sich wie die „Esra“-Kontroverse (2003-2008). Maxim Biller polarisiert. Er provoziert Hass. Das ist u.a. an dem seit 2015 wieder aufgenommenen „Literarischen Quartett“ im ZDF unter der Moderation von Volker Weidermann zu sehen. Erkennbar ist Biller auch als Kolumnist der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Nun hat er sich mit der „neuen Linken“ in Deutschland auseinandergesetzt (Die Zeit 14.7.16). Dafür ist er prädestiniert. Denn die Stalinisten hatten seinen Großvater umgebracht, in Prag seinen Onkel ins Gefängnis gesteckt und dafür gesorgt, dass sein Vater im Kommunismus nicht studieren durfte.

Maxim Biller nimmt sich in seinem Beitrag linke Autoren und Politiker vor wie den slowenischen Philosophen Slavoj Zizek („Der Westen praktiziert nicht nur Ausbeutung und Gewalt, sondern er ist in der Lage, diese brutale Wirklichkeit auch noch als das komplette Gegenteil zu präsentieren, als Freiheit, Gleichheit und Demokratie.“), den ehemaligen griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, die Linken-Führerin Sahra Wagenknecht, den „Im Zweifel linken“-Kolumnisten Jakob Augstein, den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, den ehemaligen Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaft Bernie Sanders und weniger wichtige Protagonisten. Alle kriegen reichlich ihr Fett ab.

Aber Biller überrascht hin und wieder. So wenn er

1. den Radikalen-Erlass

der Bundesregierung Brandt von 1972 lobt, den außer mir seinerzeit nur die CDU/CSU gut fand.

2. Wenn er Stellung nimmt zum „Fall Nolte“: „Als 1986 der sehr seriöse und sehr kluge deutsche Historiker Ernst Nolte, der sein halbes Leben lang die SPD gewählt hatte, zunächst völlig unparteiisch die Frage stellte, welchen Zusammenhang es zwischen Stalinismus und Nationalsozialismus gab und wie sich diese beiden Groß- und Todesideologien des 20. Jahrhunderts gegenseitig bedingt haben, wurde er sofort als Nazi-Apologet und Neofaschist beschimpft. Dass er genau das, aus Trotz und Enttäuschung, dann im Lauf der Jahre wirklich wurde, war ziemlich menschlich und schwach von ihm – und zeigte, dass er vielleicht doch nicht so klug war, wie man nach seinem großen ersten Buch

‚Der Faschismus in seiner Epoche‘

denken konnte.

3. Wenn er den Linken Ratschläge gibt: „Und soll, liebe Revolutionäre, diese Revolution dann auch wirklich kommen? Ich meine, wer von euch würde als Erster sein in den Sklavenfabriken von China hergestelltes iPhone an die Revolutionsgarden abgeben und ihnen dann sein Schweizer Wertpapierkonto überschreiben?“

Die Überlegungen von Maxim Biller sind nicht nur weit überwiegend richtig, sondern haben ihren besonderen Charme.

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