1284: Das Märchen von der „Lügenpresse“

1. Die meisten Anhänger der These von der „Lügenpresse“ kennen die Massenmedien gar nicht, um die es dabei geht.

Der Klarheit zuliebe nenne ich Ihnen die Medien, auf welche die „Lügenpresse“-These gar nicht passt:

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ), „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS), „Süddeutsche Zeitung“ (SZ), „tageszeitung“ (taz), „Zeit“, „Der Spiegel“, die Nachrichtensendungen „Tagesschau“/ „Tagesthemen“ und „Heute“/“Heute-Journal“, die politischen – und Wirtschaftsmagazine in ARD und ZDF, Netzangebote wie „faz.net“ und „spiegel online“, die Cross-Media-Angebote einzelner Unternehmen und Verlage in

Presse/Radio/Fernsehen/Internet und speziell den „sozialen Medien“,

Fernseh- und Film-Dokumentationen, um nur einige Beispiele zu nennen, die ich kenne. „Die Welt“ bemüht sich unter Herausgeber und Chefredakteur Stefan Aust (früher „Der Spiegel“)   ebenfalls, ist aber noch nicht gleichmäßig gut (und zu klar Anti-SPD). Zu viel Porschefahrer und Autotester.

2. In der Medienwissenschaft gibt es ebenfalls wenige, meist jüngere Kolleginnen und Kollegen, welche die Massenmedien ebenfalls nicht gut genug kennen. Sie befassen sich lieber mit wissenschaftlichen Methoden und technischem Chichi, ohne einen Begriff von politischer Öffentlichkeit zu haben.

3. Die Straßenverkaufszeitungen wie „Bild“ werden unterschätzt. In Großbritannien hat die Boulevardpresse („Sun“, „Mirror“ etc., die mit den noch größeren Lettern) den Brexit mit herbeigeschrieben.

4. Unter den Anhängern der These von der „Lügenpresse“ sind auffällig viele Menschen mit einer DDR-Sozialisation.

5. Bevorzugt wird eine simple Welt unter dem Motto „So einfach ist das.“ Die Welt ist aber nicht einfach.

6. Verabscheut wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk (der gesellschaftliche Rundfunk), der aus Gebühren finanziert wird. Diese werden als „Steuern“ denunziert.

7. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht in vielen zentralen Entscheidungen seit 1960 (dem Urteil zum „Adenauer-Fernsehen“) hinreichend Klarheit geschaffen und seit 1985 privaten Rundfunk zugelassen. Was der tut, ist jeden Tag zu beobachten.

8. Bei den Anhängern der These von der „Lügenpresse“ sind Verschwörungstheorien verbreitet (am beliebtesten: die des  „US-israelischen Finanzkomplexes“, der uns bekannt vorkommt).

9. Natürlich können nicht alle Menschen die Massenmedien so gut kennen wie Medienwissenschaftler, dazu fehlt es ihnen auf Grund des Arbeitslebens an Zeit und vielen an Bildung.

10. Fördernd für solch eine Fehleinschätzung wie die der „Lügenpresse“ ist eine Weltanschauung, die das Globale, Neue und Fremde fürchtet und häufig in Rassismus endet.

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