Durch den Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Chile ist wieder etwas Bewegung in die Aufarbeitung der Schreckensgeschichte der Colonia Dignidad gekommen. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat dazu beigetragen, nachdem lange Zeit das Verhalten des Auswärtigen Amts und der deutschen Botschaft in Santiago nicht rühmlich war.
Die 300 Quadratkilometer umfassende Colonia Dignidad wurde 1961 von dem Deutschen Paul Schäfer 400 km südlich Santiagos gegründet. Bis 2005 lebten hier bis 300 Menschen hinter Elektrozäunen.
Sexueller Missbrauch, Waffenhandel, Giftgasproduktion und Geldwäsche
waren an der Tagesordnung. Hinter einer gut-bürgerlichen, frommen Fassade. Von der Colonia Dignidad wurde die Pinochet-Diktatur (1973-1990) unterstützt. Auch nach 1990 ging der Terror weiter.
Paul Schäfer floh 1997 und wurde 2005 in Argentinien verurteilt. Er starb 2010. Sein Stellvertreter Hartmut Hopp wurde 2011 wegen Kindesmissbrauchs zu fünf Jahren Haft verurteilt, er reiste nach Krefeld aus. Die dortige Staatsanwaltschaft hat die Vollstreckung des Urteils beantragt.
Außenminister Steinmeier lud jetzt Betroffene nach Berlin ein und ließ Akten öffnen. Jetzt ist nachzulesen, wie wenig Politiker und Diplomaten unternahmen, um den Wahnsinn zu stoppen. Ehemalige Handlanger Schäfers befinden sich fast alle auf freiem Fuß. Der Anwalt und ehemalige Colonia-Bewohner Winfried Hempel will für die Gequälten und Misshandelten 100 Millionen Dollar Entschädigung von Chile erstreiten (Gerhard Dilger/Ingrid Wehr, taz 12.7.16; Peter Burghardt, SZ 12. 7. 16).