David Gelernter ist Professor für Computer Science an der Yale University in New York. In seinem neuen Buch „Gezeiten des Geistes. Die Vermessung unseres Bewusstseins“ wendet er sich scharf gegen die Vorstellung, Computer ließen sich mit „Geist“ und „Bewusstsein“ ausstatten. Lothar Müller hat ihn für die SZ (26./27./28.3.16) interviewt.
SZ: Warum arbeiten Sie nicht mit Experimenten, sondern suchen nach Metaphern und Analogien wie die Kunst und Literatur?
Gelernter: Mein Ansatz geht auf Nietzsche und auf Freud zurück, in gewisser Weise auch auf Heidegger und Wittgenstein, den ich sehr bewundere, und natürlich auf Edmund Husserl. Der Grund dafür ist schlicht: Meines Erachtens steckt in ihren Schriften tieferes Wissen über Geist und Bewusstssein als in vielen Zeitschriften der wissenschaftlichen Psychologie oder in aktuellen Computertheorien des Geistes. Neurobiologen wissen natürlich sehr viel über die Zellstrukturen und Neurotransmitter und über die Struktur des Gehirns, aber sie können die Struktur von Geist und Bewusstsein nicht erklären. Darüber können wir von Dichtern und Romanautoren mehr erfahren.
(Friedrich Nietzsche 1844-1900, Sigmund Freud 1856-1939, Martin Heidegger 1889-1976, Ludwig Wittgenstein 1889-1951, Edmund Husserl 1859-1938)