Angesichts der terroristischen Mordanschläge von Paris (13.11.15) und Brüssel (22.3.16) reicht Ratlosigkeit nicht bei der Bewertung dieser Schandtaten. Es geht vor allem um
Prävention und staatliche Sicherheitspolitik.
Einiges wissen wir doch von den Tätern (Werner Bartens, SZ 26./27./28.3.16; Heinrich Bedford-Strohm, Die Welt 26.3.16; Friedrich Wilhelm Graf, FAS 27.3.16; Yvonne Staat, FAS 27.3.16):
1. Es sind fast ausschließlich Männer, die in einem – wie auch immer verstandenen – Verhältnis zum Islam stehen.
2. Viele von ihnen haben Exklusion erlebt, in der Schule, am Arbeitsplatz, bei der Ablehnung durch die Gesellschaft.
3. Sie fühlen sich als Verlierer. Es fehlt ihnen häufig an Selbstbewusstsein.
4. Meistens ist eine persönliche Krise mit der Suche nach Anerkennung der Ausgangspunkt für den Übergang zum Terrorismus.
5. Häufig handelt es sich um Brüder, wo die jüngeren den älteren zeigen wollen, dass sie vollwertig sind.
6. Ursprünglich sind die Täter regelmäßig nicht besonders fromm, entdecken den Glauben aber als Kampfmittel gegen die schon viel zu angepasste Familie. So finden sie simple „Lösungen“.
7. Die Täter kommen sehr oft aus der zweiten oder dritten Generation oder sind Konvertiten. Sie wollen den „wahren Glauben“ demonstrieren.
8. Die religiöse Sprache ist interpretationsoffen. Das kennen wir aus dem Christentum. Wie etwa soll die Aussage „Machet euch die Erde untertan.“ verstanden werden? Als rücksichtslose Ausbeutung der Erde oder als pfleglicher Umgang mit der Schöpfung?
9. Die islamischen Geistlichen müssen an deutschen Universitäten studieren, damit sie aufklärend auf junge Männer einwirken können.
10. Wie der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagt, ist Terrorismus im Namen einer Religion Gotteslästerung.
Die Schriftstellerin Gila Lustiger, die in Paris lebt, hat gerade ein Buch über den Terrorismus veröffentlicht. Auf die Frage, wie wir am besten dem Terrorismus begegnen sollten, antwortet sie: „Auf die Gefahr hin, etwas naiv zu klingen: Ich denke durch Bildung. Es gibt keine bessere Terrorprävention. In meinem Buch zitiere ich einen sehr schönen und gerade in dem Zusammenhang interessanten Text von Hannah Arendt. Darin erklärt sie, dass Bildung und Erziehung uns das intellektuelle Werkzeug dafür geben, eine aus den Fugen geratene Welt wieder einzurenken. Bildung ermöglicht es uns, Verantwortung für unsere Welt zu übernehmen.“ (FAS 27.3.16)