1177: Komische Oper Berlin – kein dekadenter Haufen

Meine Frau, meine Kinder und ich haben in der letzten Zeit einige sehr anregende und amüsante Aufführungen in der Komischen Oper Berlin in der Behrenstraße erlebt. Deren Intendant Barrie Kosky, der 1967 in Melbourne (Australien) geboren wurde, ist von Christian Mayer und Verena Mayer für die SZ (26.2.16) interviewt worden.

SZ: Oper heute heißt: großzügig vom Staat subventioniert.

Kosky: Ja, und es ist ein Privileg, von der öffentlichen Hand Geld für Kunst zu bekommen. Im australischen System, aus dem ich komme, muss man erst drei Viertel des Budges bei privaten Sponsoren eintreiben. Dennoch sind wir hier an der Komischen Oper Berlin kein dekadenter Haufen. Alles ist streng budgetiert, jeder Knopf, jedes Schuhband.

SZ: Die teuerste Karte kostet an der Komischen Oper 92 Euro. Ist das nicht zu günstig, um Kosten zu decken?

Kosky: Klar, wenn man es mit London oder New York vergleicht. Oder Madrid: Über 350 Euro für eine Premieren-Karte im Parkett! Aber in Berlin und selbst in München würde das Publikum niemals so viel bezahlen. Unsere Angst ist immer, dass Gelder gekürzt werden und man die Preise erhöhen muss. Aber dann kommen nur noch Zuschauer, die sich solche Mondpreise leisten können, und man muss Star-Theater machen wie an der Mailänder Scala. Und irgenwann ist man nicht nur elitär, sondern auch künstlerisch irrelevant. Wir möchten Kunst auf höchstem Niveau machen, die für alle zugänglich ist.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.