Cord Riechelmann schreibt in der FAS (10.1.16):
„Als der Psychoanalytiker Jacques Lacan Anfang der fünfziger Jahre in einem Londoner Zoo einen Löwenmann, der in friedlicher Eintracht mit drei Löwenfrauen zusammenzuleben schien, beobachtete, wähnte er sich dem Unterschied von Tier und Mensch ganz nah. Dass die drei Löwinnen mit dem einen Mann zusammensein konnten, ohne in eifersüchtige Streitereien zu verfallen, lag für Lacan daran, dass Löwen keinen Begriff von der Zahl drei hätten, dass sie nicht bis drei zählen könnten. Das ist von heute aus gesehen natürlich Unfug. Es ist mittlerweile für viele Tierarten nachgewiesen, dass sie ein zahlenmäßiges Verhältnis zur Welt entwickeln und Individuen in ihrer Nähe sehr wohl unterscheiden können. Was Lacan aber richtig bemerkt hat, ist, dass Löwinnen untereinander ein egalitäres Verhalten zeigen. Die Frauen der einzigen in Gruppen organisierten Katzenart jagen kordiniert gemeinsam, versammeln ihre Kinder, während die anderen jagen, in Kindergärten, auf die ein bestimmtes Weibchen aufpasst. Und sie säugen die Kleinen der anderen unabhängig von der Mutterschaft mit.“