1088: Ein Wert ist der Werterelativismus.

Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass der „Clash of Civilisations“ (Samuel Huntington) stattfindet. Darin geht es vorzugsweise um „Werte“. So sprechen wir geläufigerweise. Nun macht uns Gustav Seibt (SZ 17.11.15) darauf aufmerksam, dass die Rede von den Werten „polemogen“ (kriegserzeugend) ist, mit Niklas Luhmann zu sagen. „Ich habe meine Werte, du hast die deinen. Im Zweifel siegen die höhere Überzeugtheit und Entschlossenheit, die größere Skrupellosigkeit.“

Seibt schreibt: „Ist ‚Aufklärung‘ ein ‚Wert‘, für den wir kämpfen sollten? Das mag man redensartlich so sagen, aber genauer wäre doch: Aufklärung ist ein Prinzip (Gebrauch des eigenen Verstandes, öffentlicher Vernunftgebrauch, Anzweifeln von Autoritäten), im Zweifelsfall eines, mit dem man auch ‚Werte‘ überprüft. Dann aber müsste man sagen: Einer der Werte, für die wir kämpfen, ist auch der Werterelativismus, also das Eingeständnis, das Ziel der Geschichte nicht zu kennen, und die Erlaubnis, sein eigenes Leben jeweils eigenen Werten zu unterwerfen. Da kann der eine dann die Lust wählen (‚Hedonismus‘), der andere die Selbstbeherrschung (‚Askese‘), die meisten einen Mix daraus.“

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