Francois Hollande hat nach dem 13.11.15, dem Terrorfreitag, bewusst von Krieg gesprochen. Das erscheint mir insbesondere dann, wenn wir noch an „Charlie Hebdo“ denken, sehr verständlich. Gerade weil wir sehen, dass in Frankreich bereits Wahlkampf herrscht.
In Deutschland bricht beim Begriff Krieg wegen unserer Nazi-Vergangenheit regelmäßig Hysterie aus. Auch verständlich, aber nicht weiterführend.
Nun hat für die SZ (17.11.) Jens Bisky den Politikwissenschaftler Herfried Münkler gefragt, ob der Begriff Krieg ihm angemessen erscheint. Münkler hat gerade das Buch „Kriegssplitter“ herausgebracht, in dem er untersucht, wie Kriege sich seit 1914 entwickeln und in ihren Formen verändert haben. Seine Antwort:
„Das, was wir am Wochenende in Paris erlebt haben, ist etwas, das zwischen Krieg und Frieden angesiedelt ist. Von ‚Krieg‘ zu sprechen, würde ich mir allenfalls in Anführungszeichen erlauben – und Frieden ist es natürlich auch nicht. Das ist ja das eigentliche Problem des Terrorismus, dass er die staatliche Ordnung, die auf einer Binarität der politischen Aggregatzustände beruht, nämlich entweder Krieg oder Frieden, aufbricht. Deswegen hat es nicht so viel Sinn, nun von ‚Krieg‘ zu sprechen. Es kann jetzt auch fünf Jahre dauern, bis der nächste Anschlag in Europa stattfindet. Und das ist dann eine Zeit relativer Friedlichkeit, und wir vergessen auch wieder, was gewesen ist, so wie die Anschläge auf die Vorortzüge in Madrid 2004, die noch mehr Todesopfer gefordert haben als die Mordanschläge in Paris, dann auch wieder in Vergessenheit geraten sind. Die Terroristen haben ein Interesse daran, einen solchen Zwischenzustand herzustellen, weil sie nur auf diese Weise die Plötzlichkeit des Schreckens erzielen können.“